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10. September 2001

Die Bumskugel

"Meine Mama will drei Bumskugeln!"
"Ja, und dann hat Oma alle seine Sachen aus dem Fenster geworfen und gesagt, er sei ein "Piep" und soll endlich abhauen. Warum haust Du mich Mami, das hat Oma aber wirklich gesagt!"
"Mama und Paps brauchen ein neues Bett, weil beim Alten alle Latten herausgefallen sind. Sie konnten den Druck nicht mehr aushalten."
"Paps hat auch so Gummidinger; was kann ich denn dafür, wenn ich nicht weiss, wofür man die braucht? Als ich sie aufgeblasen habe, hat Oma geschrien."
"Mama sagt, beim "es-e-ix" (Sex) sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt und man kann es mit oder ohne Kleider machen."
"Mama sagt, ein richtiger Kuss ist ein all-inklusive-Kuss, mit Zunge und so. Igitt!"
"Meine Mama hat schon mehr als drei Mal "es-e-ix" gemacht, ist ja logo, oder? Sonst wäre ich nicht geboren worden."
"Mein Paps hat einen viel grösseren Dingsbums als der Mann im Fernsehen, hat Mama gesagt."
"Mama spinnt! Sie will sich mit 40 ihren Busen aufblasen lassen! Es macht doch nichts, dass er tiefer unten ist, wenn sie den BH auszieht!"
"Wir sind pleite, ich kann mir keine Duft-Stifte kaufen, Mama hat noch genau 20 Franken im Sack! Du darfst es aber nicht weiterpetzen!"
"Paps sagt, Du bist ein mega heisser Feger und wenn Du nicht so jung und anderweitig vergeben wärst, würde er Dich nach allen Mitteln der Kunst verführen und vernaschen!"
"Mama hat gesagt, Du hast einen Schnauzer, siehst aus wie der Klon von Rapunzel und bist eine richtige Schwiegerhexe. Was ist ein Klon?"
"Mama hat ihre Tage, typisch! Darum hat sie so viele Pickels und Depressionen."

Keinen der umstehenden Gaffer am Gourmessa-Stand interessierte es, dass es sich bei den Bumskugeln um Punschkugeln und nicht um chinesische Liebeskugeln oder sonst etwas in dieser Art handelte. Seit Tagen quälten Sie Heisshunger und gierige Lust nach hiesigen Schokokugeln. Vergebens suchen Sie nun nach einem Fluchtweg, denn sämtliche Gaffer haben Sie und Ihren süssen Nachwuchs mit dem Einkaufswagen eingekeilt, in der Hoffnung, Ihre Zuckerpuppe möge noch mehr pikante Details ausplaudern.

Die Luftballons wackelten vor lauter Durchzug, so laut schallte das Gelächter durch den Raum. Mama sowie ihr Freundeskreis hatten noch 6 Jahre Zeit, um sich das Geld für einen aufblasbaren Busen zusammenzusparen.

Der Blick der Schwiegerhexe durchbohrte die kleinste Zelle meines Körpers, während ich einerseits eifrigst darum bemüht war, einen Gegenfluch herbeizuzaubern, der den ihren abwenden sollte und andererseits Zuckerpuppe unter dem Tisch ans Schienbein zu kicken.

Als einziger Single im Kreise lauter verliebter und händchenhaltender Liebespaare die meine Freunde waren, trafen mich deren mitleidige Blicke wie ein Faustschlag. Ich sah sie vor mir. Die Annonce mit dem Wortlaut": Zuckerkeks & Co. suchen einen liebevollen "ihn" für unsere alleinerziehende "sie". Anfragen unter Chiffre-No-bla-bla-bla."

Es sollte makabrerweise tatsächlich Mütter geben, die ihren Nachwuchs ertränkten, irgendwo aussetzten oder zu mindestens 20 Jahren Hausarrest verdonnerten.

"Wie kannst Du es wagen, Zuckerkeks so einen Schrecken einzujagen, indem Du ihr drohst, ihr den Hals wie bei einem Hühnchen umzudrehen?!?" Die Allianz hatte sich versammelt. Die Petze hockte schluchzend im Schosse der Grosseltern, währenddessen ich, die Rabenmutter, verurteilt wurde.

"Habe ich euch eigentlich schon erzählt, dass unsere unschuldige Perle gestern dem Metzgermeister in aller Ausführlichkeit euren Ehekrach bis ins kleinste Detaille geschildert hat und dass ihre Oma deswegen so zerknittert ausgesehen hat und mit dem Einkaufswagen in den Ravioli-Büchsenturm gekracht ist?"

Auge um Auge, Zahn um Zahn.

Die Moral der Geschicht? Familiengeheimnisse petzt man nicht.

Helena Ugrenovic

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