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21. September 2001

 Summer-Stories

Das niederschmetterndste aller Gefühle ist jenes, wenn Sie sich selber mit einem Eigentor ins Abseits katapultieren. Leider können Sie Ihren oder Ihre Gegner nicht mit einem gemeinen Kick ans Schienbein auf eine Trage katapultieren, da es sich bei sogenannten Gegnern um ihre beste Freundin und deren Schwester handelt.

"Shit happens!"
Wie schon gesagt, kann ein Ferienaufenthalt Wunder vollbringen. Jedoch sollten Sie gewisse Breitengrade vermeiden. Zum Beispiel diejenigen, in welchem sich das Land der Zitronen- und Olivenbäume, das Land der Mode und der Ästhetik schlechthin befindet. Angeln Sie an Finnlands Fjorden, tanzen Sie mit Massai-Kriegern um die Wette, backen Sie Fladenbrot bei den Indios, aber vermeiden Sie den Stiefel Europas. Suchen Sie sich stattdessen ein Land, wo die Menschen bleicher, unmodischer und unattraktiver sind sowie ein Manko an Eros versprühen.

Wenn Sie noch besagte beste, grünäugige Freundin und 7 Jahre jünger als Sie selber mitschleppen, haben Sie sich gerade die erste Ohrfeige verpasst. Wenn Sie zur besten Freundin noch deren kleine Schwester, 14 Jahre jünger und mit den Massen eines Models ausgestattet mit in die Reisetasche packen, dann springen Sie am besten gleich mit dem Kopf gegen eine Wand. Valentina hätte sich Wagenschmiere ins Gesicht kleckern oder Hörner aufsetzen können - es hätte nichts geändert oder verwüstet. Gott und sämtliche Helfershelfer hatten ganze Arbeit geleistet.

"Che bella, che bellissima! Schläft Deine Tochter noch?" Autsch! Während sich die beste Freundin und Valentina noch die Kopfkissen um die Ohren hauten, unterhielt ich den Kellner im Speisesaal des Hotels. Eigentlich war er nett. Doch mit der Frage nach meiner Tochter warf er in mir wiederum die Frage auf, ob ich den Anschein einer 40-jährigen vermittelte oder Valentina so demonstrativ blutjung aussah? Ich war stinkig gelaunt, also beschloss ich, diese harmlose Frage als Beleidigung zu werten und noch stinkiger zu werden. "Weißt Du, ich bevorzuge Ausländerinnen!" ertönte es hinter dem Kaffekrug. Ach ja? "Und ausserdem liebe ich ältere Frauen!" Ich beschloss, nicht nur noch stinkiger zu werden sondern mich gleich in die Fluten zu werfen und darauf zu hoffen, dass ein verirrter Hai oder ein anderes Meerestier noch nicht gefrühstückt hatten.

Die Pfiffe hatten mir gegolten! Strike! Endlich! Die Welt war doch nicht so schlecht, bis...tja...bis hinter mir Valentina und Vanessa auftauchten und sämtlichen Männern in Ricciones Strassen fast die Köpfe von den Schultern rollten und die Augen aus den Höhlen fielen. Gott war gemein, mein Schicksal war gemeiner, die Männer hier waren obergemein, Valentina und Vanessa waren mega gemein und ich überlegte, wen ich nun für meinen Frust verantwortlich machen sollte? Vanessa wohl kaum - sie war unsere Fahrerin und ihr gehörte das Auto. Hm... Augen zu und durch! "Ich weiss, wie das ist....glaub' es mir!" tröstete mich Vanessa," Man erträgt diese Bewunderung für Valentina nur dann, wenn man ihre Schwester ist! Ansonsten hätte ich ihr schon lange die Augen ausgekratzt!"

"Madonna mia, wie schön Du bist! Wow! Das ist doch nicht möglich!" Ich blickte mich um. Von Vanessa und Valentina keine Spur. ??? "Ja, Du!" Der Typ der tatsächlich mich anstarrte, hatte gerade sein Weinglas umgeworfen als er vom Stuhl aufgesprungen war. Die Arme ausgebreitet strahlte er mich an und bedeutete mir, mich zu ihm und den drei Pärchen am Tisch zu setzen. Nun war sie da, die ultimative Gelegenheit, die Chance meines Lebens, das As im Ärmel, Mr. Perfect Gentleman. Er war attraktiv, sympathisch und erst noch in meinem Alter. Doch Feigling der ich war, lächelte ich zaghaft, schüttelte den Kopf und flüchtete hinter meinen beiden Puppen die Galerie hoch.

Geradewegs in die Arme des Fussballclubs von San Marino, der beim Anblick von zwei paar grünen Augen nicht nur seinen 1:0 Sieg feierte sondern den Fund des heiligen Gral besang. Trotz einer Alters-Höchstgrenze von 25 Jahren die wir Valentina aufgebrummt hatten weil alles, was drüber war, uns gehörte, liess es sich nicht vermeiden, dass besagte ältere Männer sich keinen Deut um dieses unsichtbare Verbot scherten und sie umschwirrten wie die Motten das Licht. Und mich ignorierten wie der Teufel das Kreuz.

"Wollen wir mal nach unten laufen und nachschauen, ob "er" noch dort sitzt? Vielleicht kommt ihr ins Gespräch?" Sollte ich tatsächlich das Schicksal herausfordern?

Nach einem kalten Baccardi Cola mit anständigem Alkohol Pegel, einem warmen Baccardi Cola spendiert vom Fussballclub San Marino mit unanständigem Alkohol Pegel, nach einem Lauf zur Toilette in welcher man das Gefühl hatte in einer finnischen ultra-heiss-Sauna zu hocken, nach einem hypnotisierenden Blick auf 2 Millionen eng aneinander gedrückte Menschen die wie wild versuchten, den Boden der Tanzfläche einzustampfen, einer Musiklautstärke die einem sämtliche Gleichgewichtskörner in den Ohren durcheinanderwirbelte und nach einer lausig langweiligen Diskussion mit einem der "doofen" Kollegen der Superstar Fussballer welche die beiden Schwestern unter Belagerung hielten, holte es mich ein.

Das gemeinere Schicksal. Platzangst und Baccardi Cola hatten soeben einen Pakt geschlossen und sich gegen mich verbündet.

Adios Fussballclub. Ciao Unbekannter. Welcome Paperbag zwecks Hyperventilations-Bekämpfung.

Die Moral der Geschicht? Warme Baccardis trinkt man nicht.

Helena Ugrenovic

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