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21. September 2001

 Summer-Stories

Vergessen Sie Wellness-Farmen, Spa-Hotels, Gurkenmasken, Psychiatersitzungen, exzessive Barbummel oder Martini-Abende mit ihrer besten Freundin um sich von Liebeskummer zu heilen und die Welt mit anderen Augen zu sehen. Fahren Sie stattdessen lieber in Urlaub.

"Was guckst Du?"
In Kilometern gemessen ist sie nicht annähernd so lang wie eine Route 66 oder ähnlich berühmte Strassen dieser Welt. Doch ist sie mit Abstand weitaus reizvoller und interessanter als ihre asphaltierten Kolleginnen.

Riccione Centro Mare garantiert nicht nur die Vorfreude auf Minimum 30° Grad Wärme im Schatten, sie beschert zudem noch einen steifen Hals, eine plattgedrückte Nase und Heiserkeit in Folge verzücktem Gekreische.

Chiasso, 06.00 Uhr morgens. "Uff! Es geht los!" Styling perfekt, Augenaufschlag genauso, Pose ideal und das Lächeln so geheimnisvoll wie das der Sphinx, drängten wir den fünf überaus gutaussehenden italienischen Zollbeamten unsere Pässe regelrecht auf. "Sollen wir ihnen sagen, dass wir Drogen oder so dabei haben? Vielleicht verhaften sie uns dann und bewachen unsere Zelle?" Gelächter im Auto, wissende Blicke ausserhalb des Autos.

Zudem lehrt diese Strecke vor allem weibliche Autofahrer noch etwas, nämlich einen Stau lieben zu lernen. Vanessa am Steuer, den Blick in den Rückspiegel geheftet, Valentina als Beifahrerin die rechte Seite observierend, ich auf dem Rücksitz in der Position eines U-Boot-Guckrohrs. Mein Ausblick erstreckte sich von der rechten auf die linke Seite und von vorne nach hinten. Perfekte Ausgangslage.

"Hast Du Deine Visitenkarten dabei?" Klar, hatte ich. Ich versuchte gerade, mir die Situation bildlich vorzustellen, wie wir uns an den dunkelblauen Mercedes SL 500 mit den vier dunkelhaarigen Männermodels herandrängten den wir gerade im Schleichtempo überholten, derweilen sich Valentina mit dem Oberkörper aus dem Fenster kippte und unsere Visitenkarten einem verdutzten Mercedes-Fahrer auf den Schoss warf.

"Sogar die Sonne ist anders in diesem Land als bei uns; sie scheint viel heller!" Die helle Sonne war ein gelber Sattelschlepper der langsam hinter uns aufrückte und uns blendete, auf die rechte Seite zum Überholen ansetzte, an uns vorbeiglitt während uns der Kaugummi im Hals stecken blieb. "Jesus! Wo ist der Fotoapparat??!" Wahrlich einen Knipser wert war Sitting-Bull auf dem Hochsitz seines Schleppers. Nackter Oberkörper, Six-Pack ausgeprägt, ölig glänzende gebräunte Haut, schwarze Sonnenbrille und Kippe im Mundwinkeln war er einer der schönsten LKW-Fahrer, den wir jemals gesehen hatten.

"Wir fahren gerade mal eine Stunde auf Italiens Strassen, benehmen uns schon jetzt wie die Hühner und haben noch etwa fünf Stunden vor uns!" stöhnte Vanessa. Wer würde sich nicht wie ein Huhn benehmen, wenn es nur so von Hähnen wimmelte?

"Was guckst Du?" Was ich guckte? Gedankenverloren inspizierte ich die Insassen der Nachbarautos und überlegte ernsthaft, in näherer Zukunft einen Wohnortwechsel vorzunehmen. Zwecks optischer Verschönerung des allgemeinen Ausblicks und damit verbundener Motivation der täglichen Lebensumstände.

Die geplanten fünf Stunden erstreckten sich auf insgesamt sieben Stunden bis wir das Glitzern der italienischen Adriaküste endlich vor uns sahen. Etliche Stopper an den Raststätten um unsere erhitzten Gemüter mit einer Raucher-Pause abzudämpfen hatten dazu beigeführt, dass wir eher den Eindruck eines urchigen Regio-Bummelzuges als den eines schnittigen, dynamischen Intercitys vermittelten.

Italy….here we go!

Helena Ugrenovic

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