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40 Days and 40 Nights

Liebe im Waschsalon

Lauwarme Komödie für Twens über das Leiden eines freiwillig Enthaltsamen.

Von Brigitte Häring

Die Leidensgeschichte beginnt für Matt Sullivan (Josh Hartnett) mit einem schwarzen Loch: jedes Mal, wenn er mit einer Gelegenheitsbekanntschaft im Bett liegt, reisst über ihm die Zimmerdecke auf und droht ihn zu verschlingen. Schuld ist seine Ex, die ihn vor kurzem verlassen hat. Schuld sind – wird diese paranoide Vorstellung nach «Psychologie für Anfänger» gedeutet – die Frauen allgemein, vor allem auch die Mutter, wie in einer späteren Szene klar wird.
Doch Matt, der sich vom Übermass seiner körperlichen Begehren und von seinem Versagen überfordert fühlt, spricht sich nicht beim Psychiater, sondern ausgerechnet bei seinem Bruder, einem zölibatären, zukünftigen Priester aus. Er beschliesst, die Fastenzeit auf seine Weise zu begehen: kein Sex mehr für 40 Tage, auch nicht mit sich selber. Die schwarzen Löcher gibts nur noch in den Bagels, die der Bagelmann zusammen mit Gerüchten über Matts Ex jeden Morgen bringt. Oder im Waschsalon, wo Matt dann auch prompt die hübsche Erica (Shannyn Sossamon) trifft, die seine grosse Liebe werden könnte. Wenn nur dieses blöde Gelübde nicht wäre. Und wenn nur seine Kollegen dieses nicht im Netz veröffentlicht hätten. Denn dass ein Mann ein solches Gelübde für eine echte Liebe brechen könnte ist in der Welt der coolen amerikanischen Twens undenkbar, ebenso undenkbar ist es, von seinem männlichen Stolz etwas für die Ehrlichkeit gegenüber einer Frau einzutauschen.
Erotikkomödien für Twens sind weniger von Witzen und Szenen über den Austausch von Körperflüssigkeiten geprägt als Teenie-Komödien. Doch das ist, wie «40 Days And 40 Nights» zeigt, keine Garantie für mehr Niveau. An die Stelle der Schule tritt die coole Internetbude, statt der peinlichen Episoden gibt es «ernsthafte psychologische» Probleme beim One-Night-Stand. Wenig Sex und noch weniger Erotik (abgesehen von einer symbolisch überladenen Szene, die zärtlich-erotisch sein sollte und einfach nur langweilig ist); was bleibt da noch übrig? Einige stereotype Klischees über das Leben erfolgreicher Mittzwanziger in der angesagten Metropole San Francisco, einige müde Witzchen; ein alles in allem recht sexistischer Film aus einem sonst immer krampfhaft um «political correctness» bemühten Land.

Regie Michael Lehmann
Darsteller Josh Hartnett, Shannyn Sossamon, Vinessa Shaw, Paulo Costanzo
Buch Robert Perez
Kamera Elliot Davis
Produktion USA/England/Frankreich 2002
Dauer 94 Min.
Genre Komödie
Offical Site http://www.miramax.com/40daysand40nights

© Karin Müller. Sämtliche Texte und Bilder sind urheberrechtlich geschützt.
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