Filmarchiv

11'09''01

Kein Tag wie jeder andere

Elf Regisseure aus aller Welt äussern sich in elfminütigen Beiträgen zum 11. September.

Von Georges Wyrsch

Als Osama Bin Laden am 11. September 2001 seine verschiedenen Anschläge auf die Vereinigten Staaten ausführen liess, da wusste er bereits, dass eine seiner stärksten Waffen die Fernsehbilder sein würden. Es ging ihm und seinen Terroristen nicht nur um eine möglichst grosse Anzahl von Todesopfern, sondern auch darum, die USA der gesamten Welt in ihrer Verletzlichkeit vorzuführen.
Der Film «11'09''01» setzt nun einen Gegenpunkt zu diesen unvergesslichen Sequenzen, die tage- und wochenlang auf sämtlichen Fernsehsendern zu sehen waren. Elf renommierte Regisseure aus aller Welt haben je einen elfminütigen Kurzfilm gedreht, in dem die Ereignisse dieses tragischen Tages aufgearbeitet werden. Beigetragen zu «11'09''01» haben unter anderem Shohei Imamura, Mira Nair, Ken Loach, Claude Chabrol und Sean Penn.
Die Segmente des Films sind so unterschiedlich wie die Gegenden, aus denen sie herkommen – und bei weitem nicht alle Teile des Werks überzeugen. Bei einigen Filmschaffenden schimmert durch, dass sie sich in dieser Art von engagiertem Kino nicht wirklich zuhause fühlen, während andere Regisseure auf eine eher aufdringliche Art von ihrer Möglichkeit Gebrauch machen, sich Gehör zu verschaffen. Aber es trägt im Endeffekt nur zur Qualität des Filmes bei, dass sich hier die unterschiedlichsten Stimmen zu einem Chor versammelt haben. «11'09''01» ist ein bewusst disparat angelegtes Unterfangen, und da muss es niemanden erstaunen, wenn das Ergebnis zeitweilen diffus und chaotisch ausfällt.
Erstaunlich ist es allerdings, dass der Film in den Vereinigten Staaten, wo Redefreiheit sonst in Grossbuchstaben geschrieben wird, nie gelaufen ist. Der tatsächlich nicht über alle Massen diplomatische Beitrag des Ägypters Youssef Chahine wurde als anti-amerikanisch eingestuft, und «11'09''01» fand in der Folge keinen US-Verleih. Das ist äusserst schade, denn der Film bietet neben seinen kritischen Tönen auch ein tröstendes Bild von globaler und differenzierter Anteilname und Betroffenheit. Zudem beschäftigt er sich mit einem geschichtlichen Ereignis, das von der amerikanischen Filmindustrie bislang nur mit allergrösster Zurückhaltung angegangen wurde.

Regie C. Lelouch, Y. Chahine, A. G. Iñárritu, A. Gitai, S. Penn, S. Imamura et al
Darsteller Emanuelle Laborit, Ernest Borgnine, Maryam Karimi
Buch C. Lelouch, Y. Chahine, K. Loach, A. Gitai, S. Penn, D. Tanovic et al
Kamera Samuel Bayer, Luc Drion, Pierre-William Glenn, Masakazu Oka
Produktion Ägypten, Israel, Japan, Frankreich, USA et al 2002
Dauer 134 Min.
Genre Drama
Offical Site http://www.bacfilms.com/september11/

© Karin Müller. Sämtliche Texte und Bilder sind urheberrechtlich geschützt.
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