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au Coeur du Mensonge

Au coeur du mensonge

Von Karin Müller

Claude Chabrols neuer Film «Au coeur du mensonge» handelt von Lüge und Schuld, davon, wie einer gleichzeitig unschuldig und schuldig sein kann, und davon, dass niemand ohne Schuld ist. Wie so oft beim französischen Altmeister, ist das ganze wie ein Krimi aufgezogen und in eine Mordgeschichte verpackt. Quasi «im Herz der Lüge» befinden sich die Einwohner einer bretonischen Kleinstadt.

Ein Mädchen wird erdrosselt aufgefunden. Als Zeuge befragt und bald von den Leuten im Dorf gemieden wird ihr Zeichenlehrer René (Jacques Gamblin). Er hat das Kind als letzter lebend gesehen. Es gelingt Chabrol sehr schön, die Zuschauer zu verunsichern. Denn macht sich René nicht verdächtig? Mit seiner Freundin Viviane (Sandrine Bonnaire) lebt er am Stadtrand, leidet unter seiner Erfolglosigkeit als Maler und einer Beinverletzung, quält sich mit Selbstzweifeln und Eifersucht, als er merkt, dass Viviane sich mit dem Journalisten Germain-Roland Desmot (Antoine de Caunes) anfreundet. Dieser, ein Blender und Playboy, ist bald darauf ebenfalls tot, und wieder ist es René, der ihn als letzter lebend gesehen hat ... Nur Viviane wehrt sich gegen vorgefasste Meinungen und vorschnelle Verdächtigungen. Dennoch droht ihre Beziehung mit René zu zerbrechen. Unruhe in die dörfliche Gemeinschaft bringt auch Kommissarin Frédérique Lesage (Valeria Bruni Tedeschi) aus Paris, die sich resolut an die Aufklärung der beiden Verbrechen und damit nicht bei allen beliebt macht.

«Au coeur du mensonge» überzeugt dank Sandrine Bonnaire und Jacques Gamblin als Beziehungsgeschichte und ist ein leidlich spannender, wenn auch von Handlung und Ausgang her wenig überraschender Krimi. Als Psychogramm einer Kleinstadt jedoch ist der Film zu oberflächlich, bleibt er allzu fest an Stereotypen hängen, gerade was die Figuren angeht. Vom verdächtigen Aussenseiter und seiner lebensfrohen Freundin über die forsche Kommissarin und den aufgeblasenen Frauenhelden bis zum selbstgerechten Stammtischhocker entspricht das Personal den Typen, die man erwartet.

Regie Claude Chabrol
Buch Odile Barski, Claude Chabrol
Kamera Eduardo Serra
Musik Matthieu Chabrol
Produktion F 1998
Dauer 113 Min.
Genre Krimi/Drama

© Karin Müller. Sämtliche Texte und Bilder sind urheberrechtlich geschützt.
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