Filmarchiv

Asterix & Obelix

Starke Gallier und schlappe Römer

Gérard Depardieu trägt Hinkelsteine aus

Von Karin Müller

In Fleisch und Blut kommen sie diesmal auf die Leinwand: Die aufmüpfigen Gallier Asterix und Obelix. Trotz einiger witziger Szenen bleibt die ehrgeizige europäische Grossproduktion mit Staraufgebot jedoch enttäuschend zweidimensional.

Wer kennt sie nicht, Asterix und Obelix, die beiden Gallier aus dem mit einem geheimnisvollen Zaubertrank gesegneten kleinen Dorf, das Cäsar und den Römern erfolgreich Widerstand leistet. Seit sie 1959 von René Goscinny und Albert Uderzo ins Leben gerufen worden sind, erlebten und erleben die beiden Freunde unzählige Abenteuer zusammen; der eine klein und pfiffig, der andere «kräftig gebaut» und ein wenig schwer von Begriff ? längst ist das ungleiche Duo zum Kult geworden. Zeichentrickfilme wurden gedreht, ein Asterix-Freizeitpark entstand. Bis zur ersten Realverfilmung war es nur noch eine Frage der Zeit.

Jetzt ist es soweit: Die beiden Comic-Helden sind in Fleisch und Blut auf der Leinwand zu bewundern, und natürlich sind die Erwartungen gross. Die Voraussetzungen sind nicht schlecht: Dem wandlungsfähigen Gérard Depardieu scheint die Rolle des Obelix auf den (runden) Leib geschrieben. Das übrige Staraufgebot tönt ebenso vielversprechend: Christian Clavier als Asterix, Gottfried John als Julius Cäsar, Roberto Benigni als Tullius Destructivus, Marianne Sägebrecht als Gutemine. Claude Zidi schliesslich schrieb das Drehbuch und führte Regie, Claude Berri produzierte das ehrgeizige Vorhaben.

Blosse Abziehbilder

Voller Vorfreude macht man es sich also im Kinosessel bequem, muss jedoch bald enttäuscht feststellen, dass zwar alles sehr aufwendig daherkommt, sich das Vergnügen dabei aber in Grenzen hält. Obwohl die Figuren nun alle echt und dreidimensional sind, wirken sie seltsam flach, ausser Julius Cäsar, den Charakterkopf Gottried John lustvoll maliziös bis beleidigt spielt. Die anderen halten sich fast zu eng an ihre gezeichneten Vorbilder und werden damit zu nicht viel mehr als blossen Abziehbildern.

Schwächen zeigt auch das Drehbuch, wo die Devise wohl mehr äusserliches Klotzen statt innerer Spannungsaufbau hiess. Die Geschichte ist aus den verschiedenen Comicbänden zusammengewürfelt. Der intrigante und ruchlose Tullius Destructivus gelangt in den Besitz des Zaubertranks und nimmt Miraculix gefangen. Es gelingt ihm ausserdem, Caesar in den Kerker zu werfen. Beim Versuch, ihren Druiden zu befreien, geraten Asterix und Obelix selber in äusserste Bedrängnis. Kommt dazu, dass Obelix nicht immer ganz bei der Sache ist, da er sich unsterblich in die schöne Falbala (Laetitia Casta) verliebt hat.

Zuviel Computertechnik

Den Höhepunkt bildet die Szene, in der Asterix den wilden Löwen vorgeworfen wird. Diesen Höhepunkt versuchen die Filmemacher derart lange hinauszuzögern, dass er sich in sein Gegenteil verkehrt und immer langfädiger wird.

Hier soll ausserdem gezeigt werden, was man computertechnisch so alles drauf hat. Mit den Löwen ist es nämlich nicht getan. Die Helden baden in einem Meer von Vogelspinnen und stemmen ganze Elefanten ? das ist eindeutig zuviel des Guten. Was neben all den Spezialeffekten, Action- und Slapstickeinlagen nämlich auf der Strecke bleibt, ist das, was «Asterix & Obelix» (official site) ursprünglich vor allem auszeichnete und auch so erfolgreich machte: der ? bisweilen durchaus derbe ? intelligente, satirisch-ironische und nicht zuletzt subversive Humor.

Andererseits wurden Möglichkeiten, die Phantasie kreativ walten zu lassen vergeben. Bei der Figur des Troubadix (Pierre Palmade) beispielsweise wurde das Potential lange nicht ausgeschöpft: Alles, was der unmusikalische Barde tut, ist laut und kreuzfalsch krächzen. Selbstverständlich möchte man die Figuren, die einem in all den Jahren lieb geworden sind, möglichst vollzählig auf der Leinwand sehen. Ausgerechnet die einzige aber, die für den Film neu dazu erfunden wurde, der Urgrossvater von Miraculix, bleibt als eine der markantesten Nebenfiguren in Erinnerung.

Regie Claud Zidi
Buch Claude Zidi (nach Figuren von Uderzo & Goscinny)
Kamera Tony Pierce-Roberts
Musik Jean-Jacques Goldmann, Roland Romanelli
Produktion F/D 1999
Dauer 110 Min.
Genre Komödie/Kinder

© Karin Müller. Sämtliche Texte und Bilder sind urheberrechtlich geschützt.
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