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K-19: The Widowmaker

Wann ist ein Mann ein Held?

Wie das Atom-U-Boot «K-19», Vorzeigestück der Sowjets, lässt sich auch die Crew des gleichnamigen Filmes sehen: Liam Neeson, Harrison Ford, Kathryn Bigelow. Dennoch sind beide zu lang und zu schwer.

Von Felicitas Graf

Die dramaturgischen Möglichkeiten eines U-Bootes sind beschränkt und von prominenten Vorgängern wie «Das Boot» oder «The Hunt For Red October» zur Genüge ausgereizt worden: Klaustrophobisch enge Gänge, in denen schwitzende Männer stoisch auf Zeiger starren, die immer mehr in den roten Bereich zittern; knarrende Metallwände, die sich unter dem Druck des Wassers biegen; Männer in verdreckten T-Shirts, die sich an Rohren festhalten und auf den Aufprall eines Torpedos warten. Mit anderen Worten: eng, nochmals eng, heiss, nass. Dass «K-19» dem noch die Gefahr eines Atomreaktors hinzufügt, der jeden Moment schmelzen und den dritten Weltkrieg auslösen könnte, lotet nicht wirklich weitere Tiefen des Genres «U-Boot-Film» aus. Neu und entsprechend atemberaubend sind hier einzig die Kamerafahrten quer durch alle Wände, Dichtungen und Rohre des U-Boots bis hinaus ins Meer.

Zwei Stars in einem U-Boot

Der Film spielt 1961 während des Höhepunktes des Kalten Krieges. Die Helden sind Mikhail Polenin (Liam Neeson), Kapitän der nigelnagelneuen K-19, Stolz der sowjetischen Marine und wichtigster Trumpf im Wettrüsten mit den Amerikanern. Als Kapitän ist Polenin der väterliche Typ, der das Wohl seiner Crew an erste Stelle stellt. Als er sich weigert, die K-19 für eine Testfahrt mit Testabschuss der Atomrakete einzusetzen, weil sie seiner Meinung nach noch nicht dazu bereit ist, wird ihm Alexei Vostrikov (Harrison Ford) vor die Nase gesetzt. Vostrikov hat einen Revolutionshelden zum Vater und ist mit der Tochter eines Parteifunktionärs verheiratet. Er ist der Typ, der die Wünsche der Partei vor das Wohl seiner Crew setzt. Während der Testfahrt strapaziert er sie mit Drill ohne Ende. Er lässt Feuer, technisches Versagen und Überflutung simulieren und überprüft mit der Stoppuhr die Reaktion der Mannschaft. Und er setzt sie unnötigen Gefahren aus, indem er das U-Boot auf Tiefen tauchen lässt, für die es nicht gebaut ist. Polenin, der sich für «seine Männer» verantwortlich fühlt, ist mit diesem Führungsstil alles andere als einverstanden. Wären es nicht gestandene Schauspieler wie Neeson und Ford, die in diversen Disputen die Klinge kreuzen, dieser Konflikt wäre in seiner psychologischen Stumpfheit unerträglich (die russisch-rollenden «R» der Schauspieler bleiben übrigens bis Filmende gewöhnungsbedürftig).

Später Ruhm für verkannte Helden

Die Geschichte der K-19 basiert auf historischen Tatsachen: Am 4. Juli 1961 befand sich die K-19 tatsächlich auf einer Übungsfahrt, als im Kühlsystem des Reaktors ein Leck entstand. Ohne Gegenmassnahmen hätte dies zu einer Kernschmelze im Reaktor führen können und zu einer heftigen radioaktiven Explosion in der Nähe eines NATO-Stützpunktes. Angesichts der angespannten politischen Situation dieser Zeit, ist es auch denkbar, dass ein solches Vorkommen zum dritten Weltkrieg hätte führen können. Die Sowjetunion hat diesen Unfall vertuscht, und die Geschehnisse sind erst nach dem Fall des eisernen Vorhangs bekannt geworden. Das Anliegen der Regisseurin Kathryn Bigelow («Point Break», «Strange Days») war es vor allem, den Helden der K-19 zu ihrem längst fälligen Ruhm zu verhelfen. Das ist an sich ehrenwert, doch leider ist Bigelow in ihrer Mission etwas zu eifrig. So lässt sich über den Film sagen, was fürs U-Boot auch gilt: zu lang, zu schwer, noch nicht ausgereift.

Regie Kathryn Bigelow
Darsteller Harrison Ford, Liam Neeson
Buch Christopher Kyle und Louis Nowra
Kamera Jeff Cronenweth
Produktion USA 2002
Dauer 138 Min.
Genre Drama
Offical Site http://www.k19movie.com/

© Karin Müller. Sämtliche Texte und Bilder sind urheberrechtlich geschützt.
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