Von Jana Ulmann
Der an der diesjährigen Berlinale ausgezeichnete Dokumentarfilm «Im toten Winkel – Hitlers Sekretärin» präsentiert als eindrückliches Selbstzeugnis die Erinnerungen einer ehemaligen Privatsekretärin Hitlers.
Traudl Junge war von 1943 bis zum Zusammenbruch der Naziherrschaft eine der Privatsekretärinnen von Hitler. Sie war Zeugin des Stauffenberg-Attentats, sie hat die letzten Tage vor Hitlers Selbstmord im Führerbunker miterlebt und ihr hat Hitler sein «Testament» diktiert.
Das Setting, mit dem die Filmemacher André Heller und Othmar Schmiderer ihrer Zeitzeugin Raum für Erinnerungen und Erzählungen schaffen, ist von bestechender Einfachheit. Auf jegliches opulentes Beiwerk und filmische Effekthascherei wird verzichtet: Allein die Erzählerin steht im Zentrum des Dokumentarfilms. Traudl Junge berichtet im Interview mit André Heller über ihr Leben während der Nazizeit und ihre Erlebnisse als Privatsekretärin Hitlers. Die Aufnahmen des Interviews werden in einem zweiten Schritt von Junge, wiederum vor der Kamera, kommentiert. Aus dem über zehn Stunden umfassenden Interview-Material entstand so zuletzt eine Neunzig-Minuten-Kinofassung von Junges Erzählungen, die ihre Entstehungsbedingungen für die Betrachter sichtbar macht und gleichzeitig den Prozess des Erinnerns mitreflektiert. Das erinnernde Erzählen der Traudl Junge vor der Kamera wird zu einem ständigen, äusserst konzentrierten Reflektieren, Aufarbeiten und Wieder-Verwerfen, zu einem eindrücklichen Versuch, sich selbst zu verstehen und vor sich Rechenschaft abzulegen im Bewusstsein, das eigene Verhalten damit nicht entschuldigen zu können. Obwohl Traudl Junge bereits 1947 begonnen hatte, ihre Erinnerungen niederzuschreiben, machen Hellers und Schmiderers Film und ein ebenfalls dieses Jahr erschienenes Buch diese erst jetzt einem grösseren Publikum zugänglich.
Die Metapher des «toten Winkels» setzt die Erzählerin Junge dabei nicht als Ausrede ein, sondern um sich die «Illusion», die «grosse Lüge» zu erklären, der sie sich als junges, «naives» Mädchen hingegeben hatte. Der Illusion nämlich, als Sekretärin Hitlers an der Quelle wichtiger Informationen zu sein. Sie habe sich im toten Winkel befunden, so erklärt Junge. Das sei wie bei einer Explosion, auch da gebe es einen Punkt, wo Stille herrsche.
| Regie |
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André Heller und Othmar Schmiderer |
| Darsteller |
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Traudl Junge |
| Kamera |
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Othmar Schmiderer |
| Produktion |
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Österreich 2002 |
| Dauer |
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90 Min. |
| Genre |
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Dokumentarfilm |
| Offical Site |
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http://www.im-toten-winkel.de |
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