Filmarchiv

About A Boy

Zwei ungleiche Jungs

Die Verfilmung von Nick Hornbys gleichnamigem Bestseller mit Hugh Grant ist eine intelligente und warmherzige Komödie über die Freundschaft zwischen einem 12-Jährigen und einem überzeugten Single.

Von Brigitte Häring

Wird ein Bestseller verfilmt, fällt es schwer, diesen bei der Beurteilung des Films ausser Acht zu lassen. Vor allem wenn das Buch wirklich gut, amüsant und witzig geschrieben ist und wenn die Regisseure des nicht gerade mit sehr feinem Humor gespickten Werks «American Pie» (1999), Paul und Chris Weitz, die Vorlage nicht nur verfilmen, sondern auch für das Drehbuch verantwortlich sind. Doch das Ergebnis – dies sei hier vorweggenommen – kann sich sehen lassen. «About A Boy» ist nicht nur eine leichte Sommerkomödie geworden, der Film nimmt sich zudem heikler, sozialer und psychologischer Themen wie Depression oder Suizid an, ohne zu leichtfertig oder zu schwermütig zu werden.

Das Kind im einsamen Mann

Eigentlich ist «About A Boy» die Geschichte zweier Jungen – eines 12-jährigen, ziemlich uncoolen Schuljungen und eines 38-jährigen, ziemlich coolen Singles und Frauenhelden. Der eine, Marcus (Nicholas Hoult), hat einerseits mit einem ziemlich unangenehmen Schulalltag aus täglichen Demütigungen zu kämpfen, andererseits sorgt er sich zu Hause um seine sehr oft weinende, depressive Mutter Fiona (Toni Collette). Dabei versucht er mit all seinen Kräften, vernünftig zu sein und langsam erwachsen zu werden – was ihm leider fast zu gut gelingt; die Unbeschwertheit gleichaltriger Jungen ist ihm – besonders nach einem Selbstmordversuch seiner Mutter – abhanden gekommen.
Der andere «Junge» ist Will (Hugh Grant), ein Lebemann, der sich nichts weniger wünscht, als erwachsen zu sein. Sein Leben besteht aus Nichtstun (er lebt von den Tantiemen eines Liedes, das sein Vater einmal komponiert hat) und aus der sinnvollen Organisation dieses Nichtstuns. Soziale Kontakte meidet er, emotionales Engagement ist ihm fremd – er ist der Star der «Will Show», und die ist, wie er sagt, «kein Ensemblestück».
Ausgerechnet diese beiden unterschiedlichen Menschen treffen aufeinander, um nach einigen Anfangsschwierigkeiten dicke Freunde zu werden. Beide haben sich etwas beizubringen: Will versteht Marcus auf eine Weise, wie es seine alternative Hippie-Mutter nicht kann; er wird zu einer Art väterlichem Patenonkel des Jungen und bringt diesem bei, «modern» und «cool» zu sein, was Marcus' Leben in der Schule erheblich erleichtert. Marcus wiederum führt Will langsam vor, dass andere Menschen wichtig sind und dass Wills cooles Einzelgängertum sehr nahe bei verzweifelter Einsamkeit liegt.

Leicht, aber nicht oberflächlich

Trotz dieser hier vielleicht etwas moralisch tönenden Themen ist es den Weitz-Brüdern gelungen, die Leichtigkeit von Hornbys Geschichte zu retten und den Film über das Niveau einer gewöhnlichen Sommerkomödie zu heben. Keine leichte Aufgabe, hat doch Stephen Frears mit «High Fidelity» vor zwei Jahren die Messlatte für Hornby-Adaptionen hoch gesteckt. Doch Hugh Grant brilliert in der Rolle des coolen, sich gegen die wirkliche Welt sträubenden Will ebenso wie John Cusack, der den frisch getrennten Schallplattenverkäufer Rob hervorragend interpretierte. Auch die anderen Darsteller sind ausgezeichnet, allen voran Toni Collette als Fiona, die sich als Muriel in «Muriel's Wedding» einen Namen gemacht hat.
Schlüsse von Filmen sollten nie im Voraus verraten werden – das wird auch hier nicht getan. Doch es sei zum Schluss bemerkt, dass der Film nicht das kitschige Hollywood-Ende hat, das man erwarten könnte. Dazu sind Hornbys Geschichten – und seien sie noch so leicht und fröhlich – zu intelligent; wie geschrieben für gutes Kino.

Regie Paul Weitz und Chris Weitz
Darsteller Hugh Grant, Toni Collette, Rachel Weisz, Nicholas Hoult
Buch Peter Hedges, Paul & Chris Weitz, nach dem Roman von Nick Hornby
Kamera Remi Adefarasin
Produktion Grossbritannien/USA/Frankreich 2002
Dauer 101 Min.
Genre Komödie, Sozialdrama
Offical Site http://www.about-a-boy.com

© Karin Müller. Sämtliche Texte und Bilder sind urheberrechtlich geschützt.
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