Von Georges Wyrsch
Carlos (Murilo Benício) wartet am Eingang eines Kinos in Rio de Janeiro auf eine Frau namens Julia (Carolina Ferraz). Diese scheint aber vorderhand nicht aufzukreuzen ... Eine banale Situation ist in «Amores Possíveis» der Ausgangspunkt für einen Episodenfilm der spezielleren Art.
Die Geschichte von Carlos und Julia wird nämlich von da weg ohne das Beisein der Zuschauer in drei verschiedene Richtungen weitergesponnen – über 15 Jahre hinweg. Und die erwähnten «15 Jahre später» werden wir also wieder abgeholt – in drei völlig unterschiedlichen Welten. So erfahren wir in verschachtelter Weise, was mit Carlos und Julia in dieser Zeitspanne hätte passieren können, und wo sie heute sein würden.
Es geht dementsprechend nicht um den eigentlichen Verlauf einer Geschichte, sondern um eine kleine Ansammlung von Eventualitäten.
Panoptikum der Möglichkeiten
Die drei Szenarien, mit denen uns Sandra Werneck konfrontiert, könnten unterschiedlicher kaum sein. In der ersten Variante ist Carlos mit einer anderen Frau verheiratet und wird von Julia verführt. In der zweiten ist er von Julia geschieden und bekennt sich inzwischen zu seiner Homosexualität. In der dritten, zentralen Episode lebt Carlos immer noch bei seiner Mutter und macht sich via Partnervermittlung auf die Suche nach seiner Traumfrau. Wird es Julia sein?
Im Gegensatz zum narrativ verwandten Film «Lola rennt», wo die drei verschiedenen Schicksalswendungen wie Perlen auf eine Schnur gezogen wurden, hat man sich bei «Amores Possíveis» dafür entschieden, aus den alternativen Handlungssträngen ein regelrechtes Makramee zu flechten. Die Geschichten überlagern sich, schneiden sich und wechseln einander ab. Sie bilden gemeinsam eine manchmal richtige und manchmal nichtige Reflexion über die Liebe und ihre äusseren Bedingungen.
Triptychon der Beziehungen
Verpackt ist diese ganze Spielerei in grossartige Bilder mit warmen Farben, und gekrönt wird sie von einer mehr als angenehmen Musik von Chico Buarque. Ebenfalls beeindruckend ist die Leistung des Hauptdarstellers, der mit seinen drei verschiedenen Carlos-Figuren selbstredend ein sehr breites Repertoire abdecken muss.
Aber trotz diesen Qualitäten fehlt es «Amores Possíveis» an innerem Feuer. Gerade der eigentliche Clou des Films, nämlich die komplexe Vervielfachung des Geschehens, entpuppt sich im Endeffekt als ein zu enges Korsett für einen wirklich gefühlsbetonten Film. Zu oft belassen es die Macher ganz einfach dabei, ihre Paralleluniversen gegeneinander auszuspielen und nach möglichst auffallenden Kontrasten zu suchen. Wenn in der einen Geschichte etwas auf die eine Weise geschieht, dann hat es in einer anderen Geschichte auf möglichst unterschiedliche Weise ebenfalls zu geschehen. Diese formalen Anstrengungen überschatten das menschliche Potenzial des Films eher, als dass sie es fördern.
Trotz einer ganzen Reihe von hübschen und witzigen Momenten bleibt «Amores Possíveis» deshalb im Gesamtrahmen eine eher manierierte Angelegenheit. Aber als ledigliche Summe seiner Teile bietet der Film dennoch ein entspanntes Sommervergnügen für Verliebte und solche, die es werden wollen.
| Regie |
 |
Sandra Werneck |
| Darsteller |
 |
Murilo Benício, Carolina Ferraz, Emílio de Mello, Beth Goulart |
| Buch |
|
Paulo Halm |
| Kamera |
|
Walter Carvalho |
| Produktion |
|
Brasilien 2000 |
| Dauer |
|
100 Min. |
| Genre |
|
Romanze |
| Offical Site |
|
http://www.famafilm.ch/detail.cfm?id=84 |
© Karin Müller. Sämtliche Texte und Bilder sind urheberrechtlich geschützt.
Jegliche Form der Weiterverbreitung ist ohne Genehmigung untersagt.
Zurück
