Filmarchiv

We Were Soldiers

Die weissen Tauben sind müde

Ein militaristisches Spektakel zeigt den Vietnamkrieg als Heldenepos und Macho-Fantasie.

Von Georges Wyrsch

Jedes Land hat durchaus die Pflicht, seinen Kriegstoten ein Andenken zu wahren und ihnen die gebührende Ehre zu erweisen, denn schliesslich sind diese Männer unter misslichen Umständen für ihr Land gefallen. Wenn aber aus einem solchen Denkmal ein hurrapatriotischer, überlanger und weltweit vermarkteter Film wird, der einen höchst einseitigen Blick auf die Geschichte wirft und dabei amerikanische Kriegsführung als Ritual zur Mannwerdung propagiert, dann wird eine solche Angelegenheit reichlich fragwürdig.
«Was ist Krieg?» fragt der Sohn von Lieutenant Colonel Hal Moore (Mel Gibson) seinen Vater am Kinderbett. «Krieg ist schlecht», weiss Papa Gibson zu berichten, «aber manchmal ist er eine Notwendigkeit, und in diesem Fall muss sich ein Mann seiner Verantwortung stellen.» Der Junior siehts ein und schläft alsbald den Schlaf der Gerechten.
Mit dieser lapidaren Szene erklärt und legitimiert sich der wohl kritikloseste Vietnamfilm, den Hollywood bis dato hervorgebracht hat. Aber seis drum, denn schliesslich versteht sich «We Were Soldiers» ja auch gar nicht als Hinterfragung, sondern als Huldigung des US-Einsatzes in Vietnam. Und in dieser Form zieht das Epos die üblichen Register, die zumindest beim amerikanischen Publikum nicht Ekel, sondern Stolz auszulösen scheinen.
Dabei inszeniert Randall Wallace (der Drehbuchautor von «Braveheart») seine extrem langen Gefechtsszenen gar nicht so ungeschickt. Das Pathos und die Fanfaren bewahrt er sich mehrheitlich für die Rahmenhandlung und die unvermeidlichen patriotischen Reden auf. Auf dem Schlachtfeld selbst bleibt sein Blick erstaunlich nüchtern – Computereffekte werden weitgehend ausgespart, und seine schnellen, meistens tief gehaltenen Kameras bekommen öfters mal einen Blutspritzer ab.
Dennoch erinnert man sich wehmütig an «The Deer Hunter» von Michael Cimino, der auf ideologischer Ebene zwar ähnlich daherkam, aber zumindest erzähltechnisch enorm viel mehr aus seinem Stoff herauszuholen wusste. Meisterwerke wie «Apocalypse Now» und «Full Metal Jacket» werden hier besser gar nicht erst zum Vergleich herbeigezogen.

Regie Randall Wallace
Darsteller Mel Gibson, Greg Kinnear, Sam Elliott, Madeleine Stowe
Buch Randall Wallace nach Ltd. Colonel Harold G. Moore und Joseph Galloway
Kamera Dean Semler
Produktion USA 2002
Dauer 140 Min.
Genre Kriegsfilm
Offical Site http://www.weweresoldiers.com

© Karin Müller. Sämtliche Texte und Bilder sind urheberrechtlich geschützt.
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