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Arlington Road

Arlington Road

Von Christoph Racz

Der engagierte Geschichtsprofessor Michael Faraday (Jeff Bridges), dessen Frau bei einem FBI-Einsatz gegen rechtsgerichtete Waffenhändler ums Leben kam, fixiert sich immer mehr auf die Erforschung gewalttätiger Destabilisierungsversuche des Staates durch faschistische Attentäter.

Eines Tages lernt er auf spektakuläre Art das Ehepaar Lang kennen: Deren Sohn Brady taumelt mit schweren Verbrennungen direkt vor Faradays Auto, der den Jungen gleich ins Spital bringt. Diese dramatische Szene eröffnet den Film «Arlington Road» (official site) von Mark Pellington ? und weist auch gleich auf den Ereignisort und die Hauptpersonen der Handlung: In der Arlington Road hat Michael den verletzten Jungen gefunden, in der Arlington Road wohnt er selbst und dort leben seit einigen Monaten auch Oliver und Cheryl Lang (Tim Robbins und Joan Cusack).

Sympathie schlägt Bradys Retter Michael und seiner Freundin Brooke (Hope Wolfe) entgegen. Doch die konservativen Äusserungen Olivers wecken im sensibilisierten Historiker Misstrauen: Versteckt sich hinter dem biederen Architekten und Familienvater ein skrupelloser Bombenleger? Der Verdacht erhärtet sich, als Faraday herausfindet, dass sein Nachbar als Teenager tatsächlich eine Bombe zündete und danach die Identität wechselte.

Mark Pellington und Drehbuchautor Ehren Kruger knüpfen mit «Arlington Road» an tatsächliche Ereignisse der jüngsten amerikanischen Geschichte an. Der als Psychothriller aufgebaute Film gewinnt seine beklemmende Wirkung nicht nur aus der geschickt auf den Höhepunkt zuführenden temporeichen Handlung sondern auch aus den darstellerischen Leistungen von Bridges und Robbins.

In seinem zweiten Spielfilm spielt Regisseur Pellington aber vor allem mit dem Motiv der Verschwörungstheorie und dem uramerikanischen Mythos des Einzelgängers. Im Aufeinanderprallen dieser beiden Elemente entsteht die Irritation, die «Arlington Road» so spannend macht. Welche Haltung er allerdings in seiner Kritik an FBI und Polizei einnimmt, bleibt vage. Damit lässt sich sein Film leider auch interpretieren als Plädoyer für uneingeschränkte Macht der staatlichen Ordnungshüter.

Regie Mark Pellington
Buch Ehren Kruger
Kamera Bobby Bukowski
Musik Angelo Badalamenti
Produktion USA 1998
Dauer 119 Min.
Genre Thriller

© Karin Müller. Sämtliche Texte und Bilder sind urheberrechtlich geschützt.
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