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Apt Pupil

Apt Pupil

Von Karin Müller

Die Greuel des zweiten Weltkriegs und des Holocausts lassen den 16jährigen Todd Bowden (Brad Renfro) nicht mehr in Ruhe, nachdem das Thema im Geschichtsunterricht behandelt worden ist. Sein Forscher- und Wissensdrang veranlassen ihn, Berge von Büchern darüber zu wälzen. Eines Tages fällt dem Jungen auf dem Heimweg im Bus ein alter Mann (Ian McKellen) auf, dessen Gesicht ihm bekannt vorkommt. Zu Hause vergleicht er das Gesicht des Mannes mit den Abbildungen eines SS-Offiziers in seinen Büchern. Die Fotografien und weitere Nachforschungen bestätigen seinen ersten Verdacht: Der alte Mann im Bus ist der ehemalige SS-Offizier Kurt Dussander, der sich nach dem Krieg eine neue Identität als Mr Denker geschaffen hat.

Diese Entdeckung verfolgt Todd, und er bespitzelt Dussander alias Denker. Schliesslich erpresst er Dussander mit seinem gefährlichen Wissen: Wenn dieser ihm von seinen Greueltaten berichtet, ihm also erzählt wie er Juden gefoltert und umgebracht hat, würde Todd Dussanders Geheimnis für sich behalten. Dussander bleibt nichts anderes übrig, als in den Deal einzuwilligen, will er nicht verraten werden, und so verbringt Todd bald seine ganze Freizeit bei Dussander, um dessen Erzählungen zuzuhören.

Allerdings scheint Todd mit seinem Wissen nicht umgehen zu können, und die Bilder, die die Erzählungen Dussanders auslösen, liegen ihm schwer auf der Seele. Zunehmend verändert sich Todds Charakter, seine schulischen Leistungen veschlechtern sich so weit, dass seine Versetzung gefährdet ist. Damit aber hat Dussander plötzlich ein Mittel in der Hand, nun seinerseits Todd unter Druck zu setzen. Es entsteht eine Spirale von Abhängigkeit und Erpressung, in der Todd sich als ein gelehriger Schüler des Bösen erweist.

Die Verfilmung der gleichnamigen Novelle von Stephen King kann den Anforderungen, die ein Plot stellt, der um den Holocaust kreist, nicht genügen. Immerhin hat Roberto Benignis «La vita e bella» einen subtileren Umgang mit dem Thema gefunden, der beweist, dass das Kinopublikum auf simple Schwarz-Weiss-Malerei verzichten kann.

Regie Bryan Singer
Buch Brandon Boyce (nach einem Roman von Stephen Kîng)
Kamera Tom Sigel
Musik John Ottman
Produktion USA 1998
Dauer 111 Min.
Genre Drama

© Karin Müller. Sämtliche Texte und Bilder sind urheberrechtlich geschützt.
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