Filmarchiv

Thelma

Das Leben einer Frau

Vom Kampf um Liebe und Akzeptanz als Frau erzählt dieser verwirrende, etwas forcierte Film.

Von Brigitte Häring

Aus dem eigenen Körper kann man nicht fliehen – auch wenn man das Gefühl hat, mit dem falschen Geschlecht geboren zu sein. Doch niemand ist gezwungen, als Mann ein männliches und als Frau ein weibliches Leben zu leben; Grundthese der Geschlechterforschung ist die Trennung von biologischem und kulturellem Geschlecht, von «sex» und «gender». In Wirklichkeit ist es aber nicht so einfach, die beiden Begriffe zu trennen, wie der Film «Thelma» von Pierre-Alain Meier erzählt. Thelma (Pascale Ourbih), die sich irgendwann als Mann entschlossen hat, das Leben einer Frau zu leben, ist immer wieder mit ihrem immer noch teilweise männlichen Körper konfrontiert. Sie wird als sexuelle Kuriosität begehrt, nicht aber als Frau geliebt.
Gegenfigur zu dieser schillernden und dennoch sehr einsamen Person ist der ebenso einsame Ex-Boxer und Taxifahrer Vincent (Laurent Schilling). Seine Frau und sein Sohn leben von ihm getrennt, er hat Schulden und sollte Alimente bezahlen. Als die eben wieder verlassene Thelma in sein Taxi steigt, erhält er die Chance, aus seinem Trott auszubrechen: Die schöne Frau bietet ihm 10'000 Franken für eine Fahrt nach Kreta und zurück. Vincent ist gleichermassen fasziniert und irritiert von Thelma. Als er jedoch herausfindet, dass sie transsexuell ist, sieht er sich seinen Gefühlen ausgeliefert: Wut, Ekel, Interesse und Zuneigung wechseln sich ab. In Kreta nimmt die Geschichte erneut eine dramatische Wende: Dort nämlich lebt Thelmas Exfreundin Fenia (Nathalia Capo d’Istria) mit einer Tochter.
Mit feinem Gespür für Probleme im Umfeld transsexueller Menschen ist die Geschichte «Thelma» geschrieben. Die Probleme einer Mutter etwa, deren Kind plötzlich eine Frau als Vater hat. Oder die des in seinem Geschlechterbild erschütterten Mannes. Und nicht zuletzt diejenigen der transsexuellen Thelma selber, die sich immer wieder als schillernde und schrille Figur inszenieren muss, um kurz darauf wieder sehr verletzlich zu sein. Trotz der sorgfältigen und glaubwürdigen Geschichte wirken die Figuren im Film etwas unmotiviert: Die Beziehungen zwischen den drei Hauptfiguren entwickeln sich nicht richtig – sie sind plötzlich da. Das etwas forcierte Spiel der Schauspieler unterstützt diesen Mangel noch.

Regie Pierre-Alain Meier
Darsteller Laurent Schilling, Pascale Ourbih, Nathalia Capo d’Istria
Buch Jacques Akchoti, Pierre-Alain Meier, Lou Inglebert, Barbara Sobeck
Kamera Thomas Hardmeier
Produktion Schweiz/Frankreich/Griechenland 2001
Dauer 95 Min.
Genre Beziehungsdrama

© Karin Müller. Sämtliche Texte und Bilder sind urheberrechtlich geschützt.
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