Filmarchiv

Anywhere But Here

Mütter und Töchter

Über die Last der mütterlichen Liebe und die Qual des Tochterdaseins

Von Jana Ulmann

Von sich selber behauptet die allein erziehende Mutter Adele August (Susan Sarandon), die beste Freundin ihrer Tochter Ann (Natalie Portman) zu sein. Diese allerdings ist mit ihrer Mutter alles andere als glücklich. Denn die lebenslustige und ein bisschen schräge Adele hat keine Lust, sich und ihre Tochter in Bay City, Wisconsin, versauern zu sehen. Und so macht sie sich denn mit ihrer Tochter in einem alten Mercedes auf, Los Angeles, genauer Beverly Hills zu erobern. Ann folgt wohl oder übel ihrer Mutter, ist aber todunglücklich, dass sie ihr geliebtes Bay City, ihre Freunde und ihren Cousin verlassen muss.

Das vermeintliche Paradies Los Angeles entpuppt sich erst mal als mittleres Desaster. Mutter und Tochter kämpfen in Wohnungen, die mit Möbeln vom Sperrmüll eingerichtet werden, gegen sich selbst und um die gegenseitige Anerkennung. Die unbezahlten Strom- und Telefonrechnungen, unbefriedigende Jobs, die Schule, die unglückliche Liebe der Mutter, der unbekannte Vater der Tochter und die gegenseitigen Ansprüche sorgen immer wieder für Krisen.

Aber gegen alle Widrigkeiten siegt das Happyend in dieser romantischen Komödie um Mütter und Töchter. Denn ganz am Schluss merkt Adele, dass sie ihre Tochter verlieren wird, wenn sie sie nicht erwachsen werden und ihre eigenen Wege gehen lässt. Und Ann merkt, wie sehr sie ihre Mutter eigentlich liebt.

Der Hongkong-Chinese Wayne Wang, den man von Filmen wie «Smoke» und «The Chinese Box kennt, hat mit «Anywhere But Here» (official site) einen leichtgewichtigen Film geschaffen. Dass man dies als Kompliment verstehen kann, entspricht Wayne Wangs Fertigkeit als Filmemacher. Denn diese Leichtigkeit verbirgt die Untiefen und Schwierigkeiten des Lebens nicht. Eher sind diese einfach mit der ihnen eigenen Beiläufigkeit da. So wird auch die Mutter-Tochter-Beziehung zwischen Adele und Ann sorgfältig und mit Sinn für Menschliches und Komisches aufgerollt. Dass der Film dabei manchmal etwas seicht dahinplätschert und auch vor Kitsch nicht zurückschreckt, verzeiht man ihm gerne. Denn zu gut spielt Susan Sarandon die Rolle der schrägen, manchmal biestigen Mutter, der man einfach nicht böse sein kann.

Regie Wayne Wang
Buch Alvin Sargent (nach dem Roman von Mona Simpson)
Kamera Roger Deakins
Musik Danny Elfman
Produktion USA 1999
Dauer 114 Min.
Genre Drama

© Karin Müller. Sämtliche Texte und Bilder sind urheberrechtlich geschützt.
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