Von Georges Wyrsch
Was verspricht man sich von einem Film mit dem Wort «Sex» im Titel? Explizite Sexszenen natürlich. Und um es gleich vorweg zu nehmen: Damit wird in «Lucia y el sexo» auch nicht gegeizt; von Etikettenschwindel kann also keine Rede sein. Im Gegenteil, der Film lädt auch an vielen Stellen zu sexuellen Konnotationen ein, in denen keine nackten Körper im Bild sind – in einem schlechteren Beispiel muss da schon mal ein Leuchtturm als Phallussymbol herhalten. Das mag jetzt zwar ziemlich abgegriffen klingen, ist es aber nicht. Julio Medem reduziert Sexualität nämlich nie auf Lustgewinn, sondern er verweist durch sie auf Geburt und Tod, auf Lebenssehnsucht und Verzweiflung – und natürlich auf erfüllte und unerfüllte Liebe.
Die erzählte Geschichte ist zuallererst diejenige eines Verlustes: Lucia vermisst Lorenzo, ihren Freund. Ob dieser untergetaucht ist oder am Ende Selbstmord begangen hat, bleibt vorerst offen. In Rückblenden lernen wir das Paar kennen; wir erfahren, dass Lorenzo Schriftsteller war und berufsgemäss mit seiner Inspiration nicht immer auf gutem Fuss stand. Eine zweite Frau, ein zweiter Mann fügen sich dem Geschehen hinzu, später geht es auch um ein Kind und um ein Kindermädchen, mit dem Lorenzo eine Affäre haben wird. Und vor allem geht es um einen Ort – eine Insel, von der Lorenzo als Ziel seiner Träume gesprochen hat und die Lucia nun aufsucht. Eine Reise, die gleichermassen in die Zukunft und in die Vergangenheit führen wird, nimmt ihren Lauf.
Medem filmt leidenschaftlich, fleischlich und ohne falsche Scham, aber hinter diesen scheinbar triebhaft orientierten Bildern kommt schnell ein unübersehbares Kalkül zum Tragen. Der Einsatz von Licht und Farben ist nie zufällig, und wie nur wenige Regisseure versteht es Medem, die Möglichkeiten von Aussparung und Andeutung optimal auszuschöpfen. Dass er diesbezüglich von Hitchcock gelernt hat, das wissen wir seit seinem Thriller «La Ardilla Roja», aber diesmal werden solche Stilmittel auf viel unmittelbarere Weise für das Zurschaustellen von Befindlichkeiten und Stimmungen, Ängsten und Freuden angewandt. Und sie verfehlen dabei nicht ihre Wirkung.
| Regie |
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Julio Medem |
| Darsteller |
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Elena Anaya, Javier Cámara, Daniel Freire |
| Buch |
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Julio Medem |
| Kamera |
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Kiko de la Rica |
| Produktion |
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Spanien 2000 |
| Dauer |
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128 Min. |
| Genre |
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Drama |
| Offical Site |
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http://www.plus.es/luciayelsexo |
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