Filmarchiv

Amores Perros

Die Liebe ist ein Hund

Ein mexikanischer «Pulp Fiction» über die Gewalt, die selbst in scheinbar unversehrten Leben schlummert.

Von Felicitas Graf

Wie Pulp Fiction erzählt «Amores Perros» drei einzelne Geschichten, die zwar zusammengehören, deren Zusammenhänge und chronologischer Ablauf sich der Zuschauer jedoch selbst zusammenreimen muss. Diese Form des Erzählens bietet sich an, ist die Grundaussage über die Sinnlosigkeit postmodernen Lebens, denn auch dieses wird als lose Folge von einzelnen Episoden empfunden.
«Amores Perros» lässt sich mit «Die Liebe ist ein Hund» übersetzen, und Hunde spielen in allen drei Geschichten eine wesentliche Rolle. Doch bevor die erste überhaupt beginnt, wird eine Verfolgungsjagd gezeigt, die mit einem blutigen Verkehrsunfall endet. Der Unfall ist Schnittstelle der drei Geschichten.
Die erste Geschichte heisst «Octavio und Susana» und beginnt einige Wochen vor dem Unfall. Octavio (Gael Garcia Bernal) liebt Susana (Vanessa Bauche), die Frau seines Bruders. Susana erwartet das zweite Kind, und Octavio möchte sie aus den Fängen seines gewalttätigen Bruders befreien. Um schnell zu Geld zu kommen, lässt er sich auf illegale Hundekämpfe ein, ein Unternehmen, das in eben jenem Unfall endet.
Die zweite Geschichte heisst «Daniel und Valeria». Valeria (Goya Toledo) besitzt alles, sie ist das Topmodel Mexicos, und ihr Liebhaber hat soeben Frau und Töchter ihretwegen verlassen. Beim Unfall wird sie an den Beinen schwer verletzt. Am ersten Tag, an dem sie aus dem Spital nach Hause kommt, verschwindet ihr Schosshund in einem Loch im Parkett. Nun sitzt Valeria den ganzen Tag im Rollstuhl im teuren Apartment und lauscht, wie der Hund langsam von den Ratten gefressen wird. «El Chivo und Maru» handelt von einem Obdachlosen (der bekannte mexikanische Schauspieler Emilio Echevarria), ehemals Banker, der Revolutionär und schliesslich Gelegenheitskiller wurde. El Chivo, wie er sich nennt, sammelt streunende Hunde und stösst durch den Unfall auf Maru, den Kampfhund Octavios, der dem Killer den Spiegel vorhält.
«Amores Perros» ist sicherlich ein intensiver Film, voller packender Figuren und dichter Bilder aus dem Moloch Mexico City, und die zahlreichen Preise, die er erhalten hat, sind verdient. Jedoch hat Regisseur Alejandro G. Iñarritu zu tief in die Trickkisten seiner Vorbilder geschaut, um die Revolution der Filmgeschichte zu drehen, als die die Produktionsfirma den Film gern verkaufen möchte.

Regie Alejandro González Iñárritu
Darsteller Emilio Echevarría, Gael García Bernal, Goya Toledo, Alvaro Guerrero, Vanessa Bauche
Buch Guillermo Arriaga (I)
Kamera Rodrigo Prieto
Produktion Mex 2000
Dauer 153 Min.
Genre Drama
Offical Site http://www.amoresperros.com

© Karin Müller. Sämtliche Texte und Bilder sind urheberrechtlich geschützt.
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