Filmarchiv

A l'attaque!

Glück und Leid

«A l'attaque!» und «La ville est tranquille» / Dieselben Schauspieler in derselben Stadt in zwei grandiosen Filmen von Robert Guédiguian.

Von Mira Preisig

Mit «A l'attaque!» (1999) und «La ville est tranquille» (2000) sind gleich zwei Filme vom französischen Regisseur Robert Guédiguian zu sehen. Wie Guédiguians «Marius et Jeannette», 1996 ein beachtlicher Erfolg, spielen auch die beiden neuen Filme in Marseille, genauer in den Hafenquartieren der Stadt. Sie erzählen von Menschen, die ihren Lebensunterhalt hart verdienen müssen, wenn sie nicht schon arbeitslos sind. So verschieden die zwei Werke teilweise sind, so überzeugen sie beide mit grandiosen schauspielerischen Leistungen, klugen Dialogen und sehenswertem Inhalt.
«A l'attaque!», mit «Un conte de l'Estaque» untertitelt, ist ein kleines, farbiges Wundertütchen, prall gefüllt mit differenziert angelegten Charakteren, eingebettet in eine ziemlich alltägliche Geschichte mit nicht ganz alltäglichem Ausgang. Im Mittelpunkt steht die Garage «Moliterno & Cie», ein stolzer Familienbetrieb im Marseiller Quartier Estaque.
In und über der Garage wird gearbeitet, gewohnt und geliebt. Doch auch trotz der vielen Arbeits- und Überstunden droht dem Betrieb das finanzielle Aus. Erfunden werden die Geschichte, die Figuren und der Ort von zwei Drehbuchautoren, die zusammen einen politischen Film schreiben wollen. Die Ideen der beiden Autoren werden als Film im Film umgesetzt oder aber verworfen. Auf diese Weise stehen «A l'attaque!» einige märchenhafte Wendungen offen, die dieser Komödie um Themen wie Klassenkampf und Liebe doch noch zu einem Ende mit Tanzmusik verhelfen können.
Um einiges realistischer und brutaler geht es in «La ville est tranquille» zu. Durch den Film führt Michèle (meisterhaft: Ariane Ascaride), eine Fischverkäuferin, die den Unterhalt für die Familie verdient. Ihr Mann ist arbeitslos, die Tochter blutjung, drogenabhängig und Mutter eines «vaterlosen» Babys. Damit sich die Tochter nicht mit schlechtem Stoff und Prostitution zugrunde richtet, beginnt Michèle, ihr die Drogen selbst zu besorgen. Da aber das nötige Geld dazu fehlt, geht sie selbst auf den Strich. – Ein wunderbarer, ergreifender Film mit mattem Hoffnungsschimmer.

Regie Robert Guédiguian
Buch Robert Guédiguian, Jean-Louis Milesi
Kamera Bernard Cavalié
Musik Jacques Meniquetti
Produktion F 2000
Dauer 90 Min.
Genre Komödie

© Karin Müller. Sämtliche Texte und Bilder sind urheberrechtlich geschützt.
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