Filmarchiv

Original Sin

Liebe, Lügen, Leidenschaft

Ein als «erotischer Thriller» angepriesener Film, dem es trotz Angelina Jolies barem Busen und Antonio Banderas mit Schmalzlocken an Sinnlichkeit und Spannung fehlt.

Von Mira Preisig

In «Tomb Raider» sollte Angelina Jolie als Lara Croft noch die Welt retten. In «Original Sin» verkörpert sie nun eine Dame, die sich erbschleichend oder sonstwie kriminell durchs Leben schwindelt. Dabei gehts natürlich ums grosse Geld, das sich auf die Schnelle eher selten auf legale Weise erringen lässt. Im Film «Original Sin», der in Kuba um die Jahrhundertwende spielt, geht es aber nicht nur um viele Moneten, sondern auch um viel Emotion, viel Leidenschaft und um viel Amor.
Die junge Amerikanerin Julia Russell (Angelina Jolie) steht in regem Briefkontakt mit dem heiratswilligen Kubaner Luis Vargas (Antonio Banderas). Sie tritt mit dem Schiff aus den Staaten die Reise nach Kuba an, die sie zu ihrem Bräutigam führen soll. Der Film beginnt bei der Ankunft der zukünftigen Ehefrau am Hafen in Kuba. Weil in einer US-Produktion Kuba aber nicht in Kuba spielen kann, wurde fast ausschliesslich in Mexiko gedreht.
Bei ihrem ersten Treffen am Hafen ist Luis, Ehemann in spe und reicher Plantagenbesitzer, erstaunt, aber auch angenehm überrascht über die atemberaubende Schönheit Julias. Auf dem Foto, das sie ihm zuvor geschickt hatte, sah sie ganz anders aus: unattraktiv und eher prüde. – Aber egal. Wieso sollte sich Luis bei einer Frau mit dem Aussehen Angelina Jolies mehr Fragen stellen als nötig? Zumal sie ihn heiraten möchte und dem auch sonst nichts im Wege steht.
Von den allerersten Szenen an wirkt «Original Sin» unglaubwürdig. Antonio Banderas' Rolle als liebeskranker latin lover fehlt es an Substanz und Überzeugungskraft. Luis' Naivität und Gutgläubigkeit sind fragwürdig, und es wird nicht verständlich, weshalb sich der reiche und gut aussehende Mann überhaupt eine Frau aus Amerika holen muss. Zudem sehen alle Figuren aus wie auf einem Kostümball, auf dem die Gäste so tun, als ob Kleider alleine die Zeit zurückdrehen könnten. Kampfgirl Jolie verhält sich nicht im geringsten wie eine wohl erzogene neuenglische Braut um 1900, wie Julia Russell eben eine sein sollte: Sie gibt seltsame Laute von sich und knubbelt ständig an ihren Lippen rum.
Wie sich herausstellen wird, ist Julia gar nicht die «richtige» Julia und heisst eigentlich Bonnie Cassel. Die Geschichte wandelt sich in ein Dreiecksverhältnis, wo zwei liebende Männer um die gleiche Frau kämpfen. Mehr sei hier nicht verraten, damit diesem so genannten «erotischen Thriller» nicht alle Spannung abhanden kommt.
Michael Cristofers (Regie und Drehbuch) «Original Sin» ist eine Adaption von Cornell Woolrichs Roman «Waltz Into Darkness». Dieser wurde unter dem Titel «La sirène du Mississippi» bereits 1969 von François Truffaut verfilmt. Und zwar mit dem weitaus überzeugenderen Schauspielerpaar Catherine Deneuve und Jean-Paul Belmondo. Auf einer anderen Erzählung Woolrichs, der zudem unter dem Pseudonym William Irish schrieb, basiert Alfred Hitchcocks «Rear Window» (1954).
Weit entfernt von meisterhaften Leistungen von Regisseuren wie Truffaut oder Hitchcock mischt Cristofer seinen Film aus einer Menge Ingredienzen zusammen, die nicht so recht zusammenpassen, und fügt noch eine Prise Moral hinzu. Sagt er doch: «... in ihrem Kern kreist die Geschichte von darum, sich selbst annehmen zu können, mit allen Licht- und Schattenseiten.» – Also, aufgepasst!

Regie Michael Christofer
Buch Michael Christofer
Kamera Rodrigo Prieto
Musik Terence Blanchard
Produktion F/USA 2001
Dauer 116 Min.
Genre Romance

© Karin Müller. Sämtliche Texte und Bilder sind urheberrechtlich geschützt.
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