Filmarchiv

Godzilla

Sauberer Trash

Die Grösse macht's aus

Von Brigitte Häring

Roland Emmerichs Devise «the bigger the better» hat den deutschstämmigen Regisseur nach dem Weltraumdrama «Independence Day» nun ins Reich der Monster geführt. Die japanische Trash-Ikone Godzilla ist von Hollywood entdeckt worden und darf New York plattmachen.

Nach dem weissen Haus, dem Eiffelturm, dem Kreml muss also nun auch das Chrysler Building daran glauben. Nichts ist mehr sicher vor Hollywood, weder berühmte Bauwerke noch ganze Landstriche. Und schon gar nicht alte Kultfilme wie Godzilla. Das 1954 in Japan «geborene» Monster (mit dem Namen Gojira) wurde sehr schnell zum internationalen Erfolg und musste in der Folge gegen alle bekannten Monster der Filmgeschichte ankämpfen. Die Menschen in Monsterkostümen durften nach Herzenslust die Modellkulissen zertrampeln und ihre Feinde besiegen. Gerade die Unbeholfenheit des plumpen Monsters und die durchschaubaren Trickaufnahmen machten die Riesenechse zum Liebling der Trashliebhaber.

Nun ist Godzilla nicht wiederzuerkennen: aus plumpem Mönsterchen wurde eine schlanke Riesenechse. Dass Emmerich mit dem Leitspruch «size does matter» auch die Produktion und Tricktechnik des Filmes (official site) einschliesst, versteht sich von selber. Dass dabei eine komplexe Story auf der Strecke bleiben muss, wohl auch.

Eine durch Chiracs Atomversuche auf Mururoa zum Monster mutierte Echse landet in Manhattan, auf der Suche nach einem Nistplatz; denn Godzilla ist Hermaphrodit (Männchen und Weibchen in einem) und schwanger. Während das Militär gegen das Monster vorzugehen versucht, tauchen der Biologe Nick (Matthew Broderick), der französische Geheimagent Roaché (Jean Reno), die Reporterin Audrey (Maria Pitillo) und der Kameramann Victor (Hank Azaria) in den Untergrund der Stadt, um die tödliche Brut des Monsters zu finden und zu zerstören. Emmerichs Monsterproduktion ist ein technisches Spektakel, das seinesgleichen sucht. Den trashigen Charme aber, den sein japanisches Vorbild ausstrahlt, sucht man hier vergebens.

Regie Roland Emmerich
Buch Dean Devlin, Roland Emmerich
Kamera Ueli Steiger
Musik David Arnold
Produktion USA 1998
Dauer 139 Min.
Genre Action/SciFi

© Karin Müller. Sämtliche Texte und Bilder sind urheberrechtlich geschützt.
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