Filmarchiv

Fierce Creatures

Lieber nur den Fisch statt des ganzen Zoos

Die tierische Truppe um John Cleese hat wieder zugeschlagen.

Von Patrick Bürgler

Erfolg kann lästig sein: Wenn John Cleese mit Jamie Lee Curtis, Kevin Kline und Michael Palin einen neuen Film dreht, dann wird er unweigerlich an der genialen Komödie «A Fish Called Wanda» gemessen. «Fierce Creatures» vermag diesem Vergleich aber kaum standzuhalten.

Die Szenen sind noch so frisch in Erinnerung, als wären sie erst gestern über die Leinwand gefilmmert: Kevin Kline ergötzt sich mit einem gewaltigen Lungenzug an einem Stiefel und brabbelt russische Wortfetzen, damit Jamie Lee Curtis so richtig auf Touren kommt. Oder die Folterszene: Michael Palin, das Entsetzen im Gesicht und Pommes Frites in den Nasenlöchern, muss hilflos mit ansehen, wie sein Lieblingfisch Wanda verspiesen wird. Oder John Cleese, der völlig nackt in einer fremden Wohnung herumstakst wie der berühmte Storch im Salat.

Der geniale Vorgänger

Es ist schon neun Jahre her, als «A Fish Called Wanda» für die ungeheure Belastung des Zwerchfells sorgte. Die Komödie bestach mit ihrem perfekten Mix von pointierten Dialogen, skurrilem englischem Humor und der locker untergejubelten britischen Hochnäsigkeit gegenüber den vertrottelten Vettern aus Amerika. Sie war schlicht genial.

Damit ist auch der Massstab gesetzt, an dem sich John Cleeses neuer Film messen lassen muss ­ vor allem, wenn er sich dasselbe Team holt. Da kann Cleese noch solange beteuern, er wollte nicht «Wanda II» drehen.

Das gleiche Rezept

Die Zutaten zu «Fierce Creatures» kennen wir bestens aus «Wanda». Der trottelige Amerikaner Vince McCain (Kevin Kline) reist mit der reizvollen Managerin Willa Weston (Jamie Lee Curtis) nach England, um dort einen Zoo auf monetären Vordermann zu bringen. 20 Prozent Profit verlangt der neue Besitzer, der Medienmogul Rod McCain (nochmals Kevin Kline), von all seinen Unternehmen ­ auch von einem Zoo.

Dort treffen Vince und Willa auf ihre Gegenspieler: Rollo Lee (John Cleese), der zuerst die knallharte Profittour vertritt, aber schon bald dem Charme der putzigen Tierchen erliegt und die Fronten wechselt. Michael Palin als Tierwärter Bugsy Malone stottert diesmal nicht, sondern leidet im Gegenteil unter Logorrhö.

Wie in «Wanda» ist Kevin Kline hinter Jamie Lee Curtis her, die fühlt sich aber mehr vom ungelenken John Cleese angezogen. Michael Palin ist wieder für die grundsätzlichen Fragen von Leben und ­ ungewolltem ­ Sterben zuständig. Wir kennen das alles und wissen, wie es ausgehen wird.

Leise Enttäuschung

Das ist aber nicht der Punkt, an dem sich leise Enttäuschung breitmacht. Es sind die Charaktere, die blasser und flacher bleiben als in «Wanda», es sind die einzelnen Sequenzen selber, die schlicht nicht so gut gelungen sind. Slapstick gibt es zwar auch in «Fierce Creatures» wieder mehr als genug. Diesmal wird John Cleese nicht beim Liebesspiel ertappt, sondern als er sich bei einer Lauschaktion in einen Wandschrank flüchten muss. Auch die Entsorgung einer Leiche sorgt für einige Hektik. Slapstick verlangt aber nach mehr. Es braucht eine hervorragende Koordination, ein exaktes Timing, erst dann kommen die Lacher. Möglichst viele Personen wie Irre durch die Gegend rennen zu lassen, wirkt meistens nervig.

Schmunzeln statt lachen

Ob den Mängeln soll aber nicht vergessen gehen, dass «Fierce Creatures» mehr Witz besitzt als eine durchschnittliche amerikanische Komödie, Vor allem gefallen die intelligenteren Dialoge, die ihren Monthy Python-Ursprung nicht verleugnen können.

Die Verulkung des Globalisierungswahns sitzt, Rod McCain als neuseeländische Parodie auf den Australier Rupert Murdoch lässt einen zumindest schmunzeln. Und der missratene Vince zeigt, dass das Feld für Marketing-Strategen und Sponsoring-Manager noch weit idiotischere Möglichkeiten bietet, als wir das bisher für möglich gehalten haben.

Trotzdem muss ein «gut gelungen» genügen, zu «genial» reicht es John Cleese diesmal einfach nicht. Selber schuld, ungestraft versucht man nicht, seinen Gästen denselben Leckerbissen zweimal zu servieren. Aber was soll's, man kann sich das Menu ja selber zusammenstellen: zur Vorspeise den Zoo auf der Leinwand und als Hauptgang den Fisch auf Video. Nur die Reihenfolge muss man unbedingt einhalten.

Regie Robert Young, Fred Schepisi
Buch Johne Cleese & Iain Johnstone
Kamera Adrian Biddle & Ian Baker
Musik Jerry Goldsmith
Produktion Michael Shamberg & John Cleese
Dauer 93 Min.
Genre Komödie

© Karin Müller. Sämtliche Texte und Bilder sind urheberrechtlich geschützt.
Jegliche Form der Weiterverbreitung ist ohne Genehmigung untersagt.

Zurück



Top   Druckversion   Seite als Hotlink speichern
Meine Seitenbewertung