Filmarchiv

Fear and Loathing in Las Vegas

Der grosse Trip am Ende der Illusionen

Terry Gilliam ertrinkt in Äther, Koks und Bier

Von Thomas Ley

1971 veröffentlichte Hunter S. Thompson «Fear and Loathing in Las Vegas», seinen Bericht über eine Reise nach Las Vegas. Dort sah er, mit Hilfe von Drogen, den amerikanischen Traum entschwinden. Terry Gilliam will ihn, mit Hilfe von Special effects, wiederfinden.

Irgendwann zwischen dem Sommer der Liebe und der Zukunft in Freiheit sind wir wohl vom Weg abgekommen. Aus bunt wurde grell, aus Liebe wurde eine Orgie, aus Freiheit wurde der Vietnamkrieg, und um das alles nicht wahrhaben zu müssen, füllte sich die Welt mit Drogen ab und ging sich amüsieren. «Wir waren kurz hinter Barstow, inmitten der Wüste, als die Drogen anfingen zu wirken ...»

Das nun ist der erste Satz eines Berichts, der zu Beginn der Siebziger die journalistische Welt aufwirbelte: In «Fear and Loathing in Las Vegas» (official site) beschrieb Hunter S. Thompson eine Fahrt über Barstow hinaus - ins Zentrum und Denkmal der amerikanischen Illusion, Las Vegas. Seine Fahrt war ein Trip, im Wortsinn, denn mit ihm fuhren sämtliche Drogen, derer man 1971 nur irgendwie habhaft werden konnte. «Gonzo-Journalismus» nannte man das Ergebnis, und Terry Gilliam, selbst ein Spezialist für ungewöhnliche Ausflüge, hat es nun gewagt, daraus eine Gonzo-Cineastik zu bauen.

Alptraumhafte Eindrücke

Sein gleichnamiger Film schickt Thompsons Pseudonym Raoul Duke und seinen «Anwalt» Dr. Gonzo in die Wüste Nevada, um von einem Motorrad-Rennen zu berichten. Stattdessen werden sie sich auf Kosten von «Sports Illustrated» ein Wochenende in Las Vegas um die Ohren hauen. Im Kofferraum: Heroin, Methedrin, Opium, LSD, Meskalin, ungestreckter Äther, Tequila, Rum, kistenweise Bier und Kokain im Salzstreuer. Hitze, Armeen von Spielern und Spiessern und Drogen verdichten sich für Duke zu alptraumhaften Eindrücken und immer mehr zum Sinnbild für das Schicksal des angeblich verlorenen amerikanischen Traums. Er und Gonzo vernichten ihr Hotelzimmer, hauen ab, bekommen einen weiteren Auftrag, kommen zurück und wüten von neuem. Dass die zweite Reportage ausgerechnet an die «Nationale Polizei- und Anwaltstagung über Narkotika und gefährliche Drogen» führt, ist nur folgerichtig.

Rätselhafte Pfade

Wie die Vernunft der beiden Traumtänzer fällt schliesslich auch die Handlung auseinander, bis wir ahnen dürfen, dass wir einen leidenschaftlichen Abgesang auf die Ideale der Hippies sehen. Warum auch nicht, diese Interpretation ist jedenfalls so gut wie jede andere. Gilliam, der nicht unbedingt für geradlinige Plots bekannt ist, scheint sich hier jedoch tatsächlich verirrt zu haben. Thompsons Buch galt wohl nicht umsonst als unverfilmbar. In Zeiten Godzillas ist nun jede Halluzination auf die Leinwand zu bringen. Es macht aber deshalb nicht zwingend mehr Sinn.

Regie Terry Gilliam
Buch Terry Gilliam, Tony Grisoni, Tod Davies, Alex Cox
Kamera Nicola Pecorini
Musik Ray Cooper, Michael Kamen
Produktion USA 1998
Dauer 118 Min.
Genre Drama

© Karin Müller. Sämtliche Texte und Bilder sind urheberrechtlich geschützt.
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