Filmarchiv

Estrategia del Carácol

Schneckenstrategie

Brigitte Häring

Ein grosses Haus, eine Handvoll verschiedenster Mieter – fast ein kleines Dorf - und ein Räumungsbefehl; mehr braucht es nicht, um eine wundervolle Geschichte zu erzählen. Sergio Cabrera, Kolumbiens erfolgreichster Filmregisseur, brauchte allerdings fünf lange Jahre, um «La Estrategia del Caracól» («Die Strategie der Schnecke») unter schwierigsten Bedingungen zu drehen. Gelohnt hat es sich allemal, das Projekt bis zum Ende durchzuführen: Das Werk erhielt etliche internationale Auszeichnungen und wurde zum Kultfilm in den spanischsprechenden Ländern, dessen Publikumszahlen diejenigen von «Jurassic Park» übertreffen.

Die Bewohner eines grossen Hauses in Bogotá müssen miterleben, wie ihr Nachbarhaus geräumt wird. Sie wehren sich mit Waffengewalt, bis ein Kind erschossen wird. Mit dem Ziel, gleiches zu verhindern – denn eine Räumung steht auch bei ihnen unzweifelhaft an – beschliessen die Bewohner, mit Hilfe des Fast-Juristen «Doktor» Romero (Frank Ramírez) und des skurrilen Anarchisten und Bastlers Don Jacinto (Fausto Cabrera) sich auf besondere Art zu wehren. Während Romero mit juristischen Kniffs und anderen Tricks den Räumungstermin von einem Termin zum nächsten verschiebt, tüftelt Don Jacinto an einer geheimnisvollen Strategie. Bald schon kann er Romero ein Modell seiner Idee präsentieren: zwei Holztürme und ein Seil, das die beiden Türme verbindet – und die Strategie der Schnecke ist geboren ...

Schliesslich kommen die Ereignisse ins Rollen: ein Wunder geschieht, Gabriela, die eigentlich Gabriel war, entschliesst sich, wieder als Mann zu leben, ein Pfarrer tritt in die inzwischen verschworene Hausgemeinschaft ein, und Gabriel muss doch noch einmal Gabriela sein. Voll von farbig-frechen Figuren und beissendem, manchmal schwarzem Humor hat «Die Strategie der Schnecke» endlich den Weg in unsere Kinos gefunden. Der Film, dem auch hier grosser Publikumserfolg zu wünschen ist, ist eine Satire, der es gelingt, die Widersprüche Kolumbiens (und ganz Lateinamerikas) zwischen ökonomischem Elend und menschlichem Reichtum nachzuzeichnen.

Regie Sergio Cabrera
Buch Humberto Dorado, Tamon Jimeno, Sergio Cabrera
Kamera Carlos Congote
Musik Germán Arrieta
Produktion Kolumbien 1993
Dauer 116 Min.
Genre Drama

© Karin Müller. Sämtliche Texte und Bilder sind urheberrechtlich geschützt.
Jegliche Form der Weiterverbreitung ist ohne Genehmigung untersagt.

Zurück



Top   Druckversion   Seite als Hotlink speichern
Meine Seitenbewertung