Filmarchiv

Eraser

Rennen, prügeln, ballern, tippen

Währschaftes Action-Kino: Arnold Schwarzenegger in «Eraser»

Frank Götz

Nach einigen Komödienflops kehrt die steirische Eiche wieder ins Action-Fach zurück. «Eraser» bietet alles, was Schwarzenegger-Fans lieben: wilde Verfolgungsjagden, knatternde High-tech-Waffen und jede Menge cooler Sprüche.

Eine Handvoll Bösewichte haben die attraktive Vanessa Williams in das Reptilienhaus eines Zoos verschleppt, als Arnold Schwarzenegger die Szene betritt. Er feuert eine Salve in den Krokodiltank, befreit dadurch die Killertierchen, und im Handumdrehen werden die Schurken vernascht. Auch unserem Helden will ein Krokodil auf die Pelle rücken, doch Noldi macht kurzen Prozess. «You're luggage», bemerkt er trocken, bevor er dem Krokodil in den weitgeöffneten Rachen schiesst - zu deutsch etwa: «Dich sehen wir als Handtasche wieder.»

Nach bewährtem Rezept

He's back. Nach einigen eher missratenen Ausflügen ins Komödienfach («Twins», «Kindergarten Cop», «Junior») lässt der Muskelberg aus der Steiermark hier wieder die Schwarten krachen. Zwar hätte «Eraser» mit seinen Produktionskosten von rund 120 Millionen Dollar ohne weiteres ein «Waterworld»-ähnliches Fiasko werden können. Statt dessen aber setzen die Filmemacher um Charles Russel auf ein altbewährtes Erfolgsrezept: Warum nämlich einen weiteren Flop riskieren, wo doch Arnold als Action-Held schon ulkig genug ist?

Denn ulkig ist er allemal: Als US-Marshall eines Zeugenschutzprogramms soll Schwarzenegger nun aussagewillige Verbrecher betreuen und ihnen zu einer neuen Identität verhelfen. Ist er ein Mensch? Scheinbar nicht - immerhin kann er besser zielen, prügeln, denken, rennen als irgendeiner seiner Gegner. Ja, sogar tippen kann er. Und wie jeder richtige Superheld besitzt er einen unerschütterlichen Glauben an seine eigene Unbesiegbarkeit. «Wenn du jetzt deine Knarre fallenlässt», sagt er mal zu seinem Aufbringer, «dann verspreche ich auch, dich nicht umzubringen.»

Ein Mann für alle Fälle

In besagter Szene jedenfalls befindet sich unser Held in einem Flugzeug, hoch über den Wolkenkratzern von Manhattan; er muss seine Hauptzeugin (Williams) erreichen, bevor die Schurken sie finden. In der Annahme nun, dass der kürzeste Weg zwischen zwei Punkten derjenige nach unten ist, wirft Schwarzenegger kurzerhand einen Fallschirm zur Flugzeugtüre hinaus - er springt hinterher, holt ihn wie Superman fliegend ein, und als ob das nicht schon genug wäre, weicht er dem zurückkehrenden Flugzeug dann flink wieder aus.

Das mache ihm erst mal einer nach. James Bond zumindest könnte da blass werden vor Neid, von anderen Action-Helden mal ganz zu schweigen. Gewiss mag «Eraser» mit seinem aberwitzigen Agenten-Plot bisweilen an «Mission: Impossible» erinnern - doch was soll's? Auch hier ist schliesslich nichts unmöglich, und im übrigen darf Schwarzenegger wieder mit ein paar neuerfundenen High-Tech-Waffen spielen, die ein Bubi wie Tom Cruise wohl nicht einmal heben könnte.

Killer und Komödiant

Der Reiz dieses Macker-Filmchens ist ohnehin ein anderer, zumal der Anabolika-Mutant sich längst nicht mehr so ernst zu nehmen braucht. Deshalb kommen in «Eraser» auch alle Schwarzenegger-Fans wieder voll auf ihre Kosten, denn neben allerlei Explosionen, Computerkram und den genreüblichen Balgereien ist es vor allem die Selbstironie des Hauptdarstellers, die die Achterbahnfahrt so vergnüglich macht. So gelingt es dem «Terminator»-Darsteller gar, eine Synthese seiner früheren Rollen auf die Leinwand zu bringen, insofern der Killer mit dem Komödianten hier eine nahezu perfekte Symbiose eingegangen ist. Und wenig ist das ja nicht.

Regie Charles Russell
Buch Michael S. Chernuchin, Walon Green, Tony Puryear
Kamera Adam Greenberg
Musik Alan Silvestri, Walter Werzowa
Produktion USA 1996
Dauer 115. Min
Genre Action / Krimi

© Karin Müller. Sämtliche Texte und Bilder sind urheberrechtlich geschützt.
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