Filmarchiv

Entrapment

Vom Lieben unter Dieben

Klauen als erotischer Akt: «Entrapment» von Jon Amiel

Benjamin Herzog

Catherine Zeta-Jones und Sean Connery sind in «Entrapment» als Meisterdiebe unterwegs. Zur Jahrtausendwende haben sie in Kuala Lumpur den Megacoup vor. Vornehm, wie richtige Edeldiebe eben sind, geht es ihnen dabei nicht ums Geld.

Was? Nur noch sechzehn Tage bis zur Jahrtausendwende? Panik, Panik. Die gemütliche Gegenwart spuckt uns bald in die hektische Zukunft. Vorbei sind auch die gemächlichen Zeiten für Meisterdiebe: Längst sind die Tränen versiegt, die dem guten alten Panzerschrank nachtrauerten, der Lötbrenner ist definitiv erloschen und richtiges Geld gibt?s angesichts der Visa-Karten, die auf die Theke geknallt werden, auch keines mehr.

Das alles kümmert Sean Connery alias Mac reichlich wenig. Verglichen mit seiner peinlichen Rolle als TV-Koch in «Playing By Heart» (demnächst im Kino), ist Connery als Edeldieb in «Entrapment» durchaus sehenswert. Die Eingangssequenz des Filmes zeigt, wie sich der ergraute Schotte an einem dünnen Stahlseil die Fassade eines New Yorker Hochhauses hinunterstürzt ? eine akrobatische Glanzleistung für einen 68jährigen.

Die Versicherungsagentin Gin (Catherine Zeta-Jones) haftet sich an des Diebes Fersen. Zur Aufklärung des Falls? Vielleicht. So einfach lässt sich das nicht sagen, zumindest soll es hier nicht verraten werden, denn dieses Wissen nähme dem Film einigen Wind aus den Segeln, geht es doch gerade darum, dass man bis zum Schluss nicht sicher ist, wer jetzt mit wem oder gegen wen arbeitet. Nur so viel: Mac und Gin werden sich privat näherkommen, was wieder einmal die für jüngere Frauen offenbar so unglaublich starke Anziehungskraft älterer Semester dokumentiert.

Klettern und schlängeln

Sean Connery erfreut sich aber auch einer, wie man so schön sagt, «besten Gesundheit». Er ist ungebrochen charmant, männlich, humorvoll und gebildet, mit gutem Geschmack und einem tollen Schloss in Schottland ausgerüstet. Ähnlich attraktiv für das andere Geschlecht dürfte in «Entrapment» auch Catherine Zeta-Jones (The Mask of Zorro) wirken. Wie sie sich durch rot flirrende Laserabschrankungen schlängelt, ist nicht ohne Reiz. Regisseur Jon Amiel schlachtet diesen Tanz zwischen den Strahlen allerdings auch des langen und breiten aus.

Überhaupt hat man den Eindruck, dass er das Publikum mit allen Mitteln davon überzeugen will, dass Klauen etwas Erotisches ist. Da das Geld seinen Duft verloren hat und nur noch virtuell in Computerchips existiert, hat es auch seine Verlockung verloren, knistert nicht mehr verführerisch wie früher. Deshalb wird die Aufmerksamkeit auf den Akt des Stehlens an sich gelenkt, auf die minutiöse Planung, auf eine unglaubliche Menge an technischen Geräten, auf die Choreographie des Kletterns und Schlängelns. Beim grossen Coup in Kuala Lumpur sollen acht Milliarden Dollar erbeutet werden, soviel, wie auch die verschwenderischste Seele in einem Leben nicht ausgeben kann.

Die letzte grosse Beute

Hier geht es nicht ums Geld, hier geht es ums Prinzip, um den Ehrgeiz, dem alten Jahrtausend die grösste Beute zu entreissen. Deshalb auch diese Panikmache mit dem ständig eingeblendeten Countdown bis zum Jahreswechsel 2000. Dann nämlich soll der absolute Megacoup stattfinden. In zwei Super-Towers ist eine internationale Bank untergebracht. Die Computer dieser Bank werden, um sie vor dem drohenden Millennium-Bug zu verschonen, für zehn Sekunden abgestellt. Während dieser Zeit müssen die acht Milliarden Dollar verschwinden.

Trotz High-Tech und knisternder Erotik ist der Film letztlich aber doch nicht so spannend, wie man sich erhofft. Dazu folgt er etwas zu mechanisch den Spielregeln: Das Verbrechen wird geplant, durchgeführt, fertig. Das Wer-ist-wer-Spielchen ist ganz anregend, sorgt aber auch nicht für die totale Verwirrung der Gefühle. Immerhin kommt mit «Entrapment» wieder einmal ein schöner Diebes- und Liebesfilm ins Kino.

Regie Jon Amiel
Buch Ronald Bass, Michael Hertzberg
Kamera Phil Meheux
Musik Christopher Young
Produktion USA 1999
Dauer 112 Min.
Genre Thriller

© Karin Müller. Sämtliche Texte und Bilder sind urheberrechtlich geschützt.
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