Filmarchiv

a Thousand Acres

King Lear als Seifenoper - Familiendrama auf dem Lande

Menschliche Irrtümer, zerstörte Familienbande, Farmermythos, Inzest und die Grausamkeit des Todes: Das alles sind Stoffe, aus denen gute Filme gemacht sein können. In Jocelyn Moorhouses «A Thousand Acres» werden die Dramenelemente fröhlich gemischt und herauskommt eine platte Seifenoper.

Von Patrick Bürgler

Menschliche Irrtümer, zerstörte Familienbande, Farmermythos, Inzest und die Grausamkeit des Todes: Das alles sind Stoffe, aus denen gute Filme gemacht sein können. In Jocelyn Moorhouses «A Thousand Acres» werden die Dramenelemente fröhlich gemischt und herauskommt eine platte Seifenoper.

«A Thousand Acres» basiert auf dem gleichnamigen Roman von Jane Smiley, das Buch wiederum lehnt sich an William Shakespeares «King Lear» an. Shakespeare, unbestritten einer der grössten Autoren der Weltliteratur, Smileys Roman immerhin Pulitzer gekrönt ­ und dann dieser Film. Irgendwo ist da alles verloren gegangen, was Shakespeares Tragödie auszeichnet, was Smileys Melodrama zum Kritikerliebling machte. Wie dreifach verdünnter Wein tröpfelt eine fade Geschichte von der Leinwand, die weit davon entfernt ist, im Publikum auch nur leise Emotionen zu wecken.

Grundthema ist ­ wie in «King Lear» ­ ein Patriarch, der sein Reich unter seinen Töchtern aufteilt. Nur ist es kein Königreich, sondern die Farm des angesehenen Farmers Larry Cook (Jason Robards). Statt dem Staat Erbschaftssteuer in den Rachen zu stopfen, will er seine 1000 Morgen Land vor seinem Tod unter seinen drei Töchtern verteilen. Die beiden älteren Schwestern Ginny (Jessica Lange) und Rose (Michelle Pfeiffer) sind von der Idee begeistert. Nur die jüngste, Caroline (Jennifer Jason Leigh), äussert Zweifel. Das duldet der knorrige Alte aber nicht, und obwohl Caroline sein Liebling ist, geht sie leer aus.

Der Farmermythos

Der Samen für den Familienzwist ist gesät. Was auf dem Spiel steht, schildert der Film in opulenten Aufnahmen: weite Felder, auf denen das Korn im Wind wogt; extreme Zoomaufnahmen von Mähdreschern; Sonnenaufgang über dem Horizont ­ banale Bilder, wie wir sie schon hundertmal gesehen haben, wenn der amerikanische Farmermythos beschworen wird. Klar, dass da auch der amerikanische Pioniergeist nicht fehlen darf. Ergriffen, aber kaum ergreifend, erzählt Larry von seinem Grossvater, der vor 100 Jahren mit blossen Händen Entwässerungskanäle in das sumpfige Land gegraben hat.

Dass diese Tradition ein Ende finden wird, das überrascht kaum. Schon bald bereut Larry seinen Entscheid. Die Wende in der Geschichte wird untermalt mit einem Gewittersturm, der über den Hof und die Cooks niedergeht. Auch das ein Einfall, wie er trivialer kaum sein könnte.

Aber um die Seifenoper perfekt zu machen, häuft das Drehbuch noch alle Unbill der Welt an, damit die Figuren auch so richtig schön leiden. Harmloser ist Ginnys Problem. Sie hat fünf Fehlgeburten erlitten, weil ihr noch niemand gesagt hat, dass das Trinkwasser durch Pestizide vergiftet ist. Härter hat es da Rose getroffen, die sich wegen einer Krebserkrankung eine Brust amputieren lassen musste. Beide Schwestern wiederum leben in einer Beziehung, die man als gescheitert ansehen muss. Vor allem aber haben sie eines gemeinsam: Sie wurden als Mädchen von ihrem Vater missbraucht.

Ein Turm von Klischees

Weshalb der Film trotzdem an einem abperlt wie Regentropfen auf Goretex, wird schnell klar. Anstatt in die Tiefe der Gefühle zu graben, türmt der Film klischierte, vermeintlich gesellschaftskritische Themen aufeinander. In 104 Minuten prasseln so viele Probleme auf die Leinwandfiguren nieder, dass der Zuschauer gar keine Zeit findet, seine Emotionen einer Figur zuteil werden zu lassen.

In den kleinen Häppchen der Seifenopern mag man das ja noch verdauen, auf der Leinwand wird es zuviel. Vor allem, wenn das Ganze ambitioniert daher kommt, aber in Tat und Wahrheit so durchsichtig konstruiert ist, dass sich selbst das Seifenopernpublikum langweilen würde.

Regie Jocelyn Moorehouse
Buch Laura Joney (Nach dem Roman von Jane Smiley)
Kamera Tak Fujimoto
Musik Richard Hartley
Produktion USA 1997
Dauer 105 Min.
Genre Drama

© Karin Müller. Sämtliche Texte und Bilder sind urheberrechtlich geschützt.
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