Filmarchiv

End of Days

Mit Muskeln und Herz

Arnold Schwarzenegger ist zurück. Aber Peter Hyams Endzeitepos hält nicht, was es verspricht.

Von Karin Müller

Dass Arnold Schwarzenegger starke Muskeln hat, wissen wir, denn darauf gründet schliesslich sein Ruhm. Jetzt, an der Schwelle zum nächsten Jahrtausend, will er der Welt beweisen, dass er auch einen starken Glauben hat und ein reines Herz. Schwarzenegger möchte weg vom Terminator-Image der Killermaschine. Darum drehte er mit Regisseur Peter Hyams («Presidio», «Time Cop», «The Relic) «End of Days» (official site), eine Geschichte mit biblischen Orakelsprüchen, blutigen Kreuzigungsszenen, viel dick aufgetragener Symbolik und einem Helden, der krampfhaft versucht, Gefühle und Verletzlichkeit zu zeigen, eine Geschichte, die sich aber im Übrigen gar nicht so sehr vom letzten Terminator-Film unterscheidet. Schwarzenegger muss auch diesmal die Welt retten, die nun anstatt von intelligent gewordenen, jedoch seelenlosen bösen Robotern dem Zeitgeist entsprechend vom «guten» alten Satan beherrscht zu werden droht. Dass dieser seinen grossen Coup natürlich nicht in Bern-Bümpliz landet, sondern in New York, der Stadt von Geld und Geist und Schein und Sein, als Investment Banker auftritt, versteht sich von selbst, und dort gibt es ja auch so höllisch schön düstere U-Bahn-Schächte.

Die Story von «End of Days» ist so geradlinig wie durchsichtig. Der lebensmüde Ex-Cop Jericho Cane (Arnold Schwarzenegger) muss die Jungfrau Christine York (Robin Tunney) davor bewahren, in der Silvesternacht vom Teufel (Gabriel Byrne) geschwängert zu werden, denn es gehe nicht an, sagt der Papst in Rom, dass man die junge Frau einfach tötet, um sie dem Beelzebub zu entreissen, also Böses mit Bösem bekämpft. Dass der Weg dieser Rettungsaktion allerdings gepflastert ist mit Leichen, sei nur nebenbei erwähnt. Der Leibhaftige (die «sündigen» Gedanken, die Gabriel Byrne als dessen Fleisch gewordene Erscheinung weckt, sind das bescheidene Highlight des Films) ist ein richtiger Pyromane. Einen Mephisto haben wir nicht erwartet, ein wenig mehr Einfallsreichtum hätten wir dem Herrscher über die Unterwelt jedoch zugetraut und gewünscht ebenso wie den Filmemachern. Fazit: Arnold Schwarzenegger hat gezeigt, dass er das Herz auf dem rechten Fleck hat, in Zukunft wollen wir ihn aber lieber wieder ausschliesslich mit seinen Muskeln spielen sehen.

Regie Peter Hyams
Buch Andrew W. Marlowe
Kamera Peter Hyams
Musik John Debney
Produktion USA 1999
Dauer 124 Min.
Genre SciFi/Action

© Karin Müller. Sämtliche Texte und Bilder sind urheberrechtlich geschützt.
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