Filmarchiv

Eisbär

Der Eisbär

Von Benjamin Herzog

Durch die Dunkelheit knirscht ein alter Mercedes. Auf einem Parkplatz am Hafen kommt der Sternkreuzer zum Stehen. Der Fahrer des Schlittens, die Reste von 40 Cheeseburgern und Heiner Lauterbach ? er spielt unter dem Namen «der Gesundheitsinspektor» den Bösewicht ? fliegen in die Luft.

Ja, das ist ein durchaus spassiger Anfang. Doch danach kommt, es sei gleich vorweg gesagt, die pure Langeweile. Germanen-Beau Til Schweiger spielt in «Der Eisbär» (official site) nicht nur die Hauptrolle, sondern hat auch gleich den Regisseurensessel besetzt, co-produzierte die 90minütige Chose und ist auf voller Länge gescheitert. Sein Konzept, mit einem explosiven Anfang die Zuschauer über eine Stunde lang unter Spannung zu halten, hat nicht funktioniert.

Nachdem also das Auto gesprengt worden ist, blättert Schweigers Film «einige Stunden» zurück und versucht, die Geschichte von Anfang an aufzurollen. Dabei führt er so unterschiedliche Personen wie zwei bekiffte Teenies, zwei belämmerte Bullen und, ebenfalls im Doppelpack, zwei Kleinkriminelle ein. Schliesslich fehlt noch das Protagonistenpaar: Til Schweigers Wenigkeit und Karina Krawczyk, die sich im Laufe des Films zusammen die Hucke zusaufen werden und sich dabei ineinander verlieben.

Alle diese «schrägen» Typen scheinen nun irgendetwas mit dem grossen Knall zu tun zu haben. Aber was bloss? Til Schweiger als «Eisbär» und kaltblütiger Killer im weissen Kuschelfellchen trifft rein zufällig die Computerterroristin Nico, die den Mercedes hätte zum Zielort bringen müssen; die Teenies stehlen den Wagen; die Bullen verfolgen die Teenies usw. Doch auf die Frage «warum?» fällt man in ein tiefes Loch. Schweiger versucht mit allen Mitteln diese Grube der Sinnlosigkeit zu füllen, führt mit der Zigarettenmarke «Devils» einen Running gag ein und macht sich über Handys und Penisgrössen, Deutschtümelei und Polenwitze lustig. Doch reiht er so nur eine erzählerische Sturzgeburt an die nächste. Es herrscht die grosse Beliebigkeit. «Der Eisbär» will witzig, cool, politisch, spannend und romantisch sein ? und ist dabei vor allem langweilig.

Regie Til Schweiger
Buch Franz Henmann
Kamera Greg Littlewood
Musik Henning Lohner, Klaus Babelt
Produktion D 1998
Dauer 90 Min.
Genre Krimi/Action

© Karin Müller. Sämtliche Texte und Bilder sind urheberrechtlich geschützt.
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