Filmarchiv

EDtv

Fernsehen um jeden Preis

Vom Beobachten des Beobachters: «EDtv»

Von Brigitte Häring

Methoden, das Publikum vor dem Fernsehschirm festzuhalten, gibt es viele, laufend werden neue Ideen und schlagende Themen von den führenden Köpfen der Fernsehstationen ausgeheckt. Hat ein Sender etwa eine Sendung, die Quoten steigernd wirkt, ziehen andere Sender nach. Der Trend ist leicht auszumachen: je lebensechter, je authentischer und für alle nachvollziehbarer desto besser. So haben Soaps im Milieu der ganz Reichen wie «Dallas» und «Denver» als ein Phänomen der vergangenen Achtzigerjahre ausgespielt. Im Fernsehen von heute interessiert und fasziniert das ganz Alltägliche, Normale, der Kampf ums tägliche Leben des kleinen Mannes; eines Mannes wie Ed Pekurny (Matthew McConnaughey), der im Werk des Regisseurs Ron Howard zum Hauptdarsteller und Opfer der neuesten Idee der Fernsehproduzenten wird.

Einer ähnlichen Idee wie «The Truman Show» folgend, soll das Leben eines Mannes 24 Stunden live, ungeschnitten und ohne fremde Inszenierung übertragen werden. Anders als beim letztjährigen Kassenschlager jedoch weiss Ed Bescheid, wird als Kandidat ausgewählt und hat ständig ein Kamerateam als Begleitung um sich. Nach einer peinlichen ersten Sendeminute wird der sympathische, etwas orientierungslose junge Mann innerhalb einer Woche zum absoluten Fernsehstar, die Quoten erreichen Rekordhöhe. Bald schon steht nämlich Eds Leben Kopf, Irrungen und Wirrungen sorgen für Spannung und der Versuchsballon kann als voller Erfolg abgebucht werden.

Die gelungene Komödie ? notabene des Kinos über das Fernsehen ? mit Starbesetzung (Dennis Hopper, Martin Landau, Woody Harrelson einige Fragen auf, die sich mit der Inszenierung des täglichen Lebens befassen: Wäre Eds Leben anders verlaufen ohne die Kameras? Macht also erst ihre Präsenz genau dieses Leben sehenswert? Zudem werden die Kinozuschauer immer wieder auch als Fernsehzuschauer entlarvt, denn der Blickwinkel wechselt ständig zwischen den «Fernsehkameras» und den Filmkameras, die die Fernsehinszenierung mitfilmen, hin und her. Und selbstverständlich ist Eds Leben auch für uns reflektierte Kinozuschauer so spannend, dass wir mitfiebern ? allerdings auf kurzweilige, vergnügliche Kinolänge gekürzt.

Regie Ron Howard
Buch Lowell Ganz, Babaloo Mandel
Kamera John Schwartzman
Musik Randy Edelman
Produktion USA 1999
Dauer 123 Min.
Genre Komödie

© Karin Müller. Sämtliche Texte und Bilder sind urheberrechtlich geschützt.
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