Filmarchiv

ein Zufall im Paradies

Zufall im Paradies

Von Brigitte Häring

Die Suche nach dem Ursprung der Menschen beschäftigt eben diese, seit die von Gott vorgegebene Ordnung der Dinge durch Charles Darwin stark ins Wanken geriet. Die Menschheit musste sich plötzlich damit auseinander setzen, nicht die Krönung der Schöpfung zu sein, sondern ein Wesen, das in der Natur, mit der Natur sich entwickelt hat. Seit etwa hundert Jahren sind wir Menschen also auf der Suche nach dem Beginn der Menschheit, um uns wieder so etwas wie eine Identität zu verschaffen.

Der Basler Filmemacher Matthias von Gunten hat sich auf den Weg gemacht, einigen Fragen nachzugehen und Menschen zu porträtieren, die sich mit eben diesem Ursprung des heutigen Menschen beschäftigen. Er trifft sich mit den wichtigsten Paläontologen und Verhaltensbiologen unserer Zeit, beobachtet sie bei der Arbeit. Dabei kommt er aber auch mit Menschen in Kontakt, die wirklich seltsame Aufgaben haben; so zum Beispiel der Kenianer Kamoya Kimeu, dessen Aufgabe es ist, Urmenschenfossilien zu finden. Mit (fast) übersinnlichem Gespür findet Kimeu in unwirtlichsten Gegenden die wichtigsten Fossilien. Er hat dafür von Präsident Reagan eine Verdienstmedaille bekommen.

Ein Künstler ganz anderer Art ist John Gurche, dessen Ziel es ist, die frühe menschliche Realität sichtbar zu machen. Der studierte Anthropologe und autodidaktische Künstler bildet in erstaunlich akribischer Arbeit Gesichter um die Modelle von Urmenschenschädeln, bis wir einem unserer Vorfahren gegenüber stehen. Seine Werkstatt gemahnt auf unheimliche Weise an jenes Laboratorium in «Blade Runner», in dem Teile von Replikanten hergestellt werden.

So unterschiedlich die Aufgabenbereiche der Forscher sind, alle sind von der gleichen Motivation besessen: mit grossem Selbstbewusstsein sind sie auf der Suche nach dem «Split», nach der Loslösung des Wesens Mensch von der «gemeinen» Tierwelt. Dabei fällt jedoch auf, dass jeder dieser Forscher von seinem Standpunkt, seinem Blickwinkel heraus forscht. Von Gunten ist allen diesen Blickwinkeln nachgegangen, hat Fäden zusammengeführt und Verbindungen geschaffen.

Regie Matthias von Gunten
Buch Matthias von Gunten
Kamera Pio Corradi
Musik Alex Kirschner
Produktion CH/A 1999
Dauer 88 Min.
Genre Doku

© Karin Müller. Sämtliche Texte und Bilder sind urheberrechtlich geschützt.
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