Filmarchiv

28 Days

Aufenthalt im Kuckucksnest

Sandra Bullock erlebt als Alkoholikerin Freuden und Leiden in einer Rehabilitationsklinik.

Von Brigitte Häring

Gwen Cummings (Sandra Bullock), die zusammen mit ihrem Freund Jasper (Dominic West) die wilde Seite des Lebens ausgiebig feiert, ist die grösste Plage an der Hochzeit ihrer Schwester. Nachdem die Alkoholikerin zu spät zur Kirche gekommen, beim Tanzen in die Hochzeitstorte gefallen ist und zwecks Neubeschaffung einer solchen eine Limousine geklaut hat, endet sie in der Veranda eines Hauses. Die Folge davon ist die Zwangseinweisung in eine Klinik.

Natürlich hat Gwen grosse Probleme, sich anzupassen, sie ist arrogant und benimmt sich, als hätte sie keine Probleme. Erstaunlich überzeugend und zum Teil weniger überdreht und verrückt, als man es sich bei einem Film mit dieser Handlung eigentlich vorstellen würde, sind die anderen Insassen dargestellt. Dabei ragen vor allem Viggo Mortensen als Eddie und Diane Ladd als Gwens Zimmergenossin Bobbie Jean heraus. Gwen, die deprimiert einen Schutzwall aus Verachtung, Gleichgültigkeit und Frust um sich baut, gerät schliesslich an den Anstaltsleiter Cornell (Steve Buscemi), der nach und nach ihre Verteidigung aufbricht und sie dazu bringt, sich mit ihrer Umwelt und mit sich selber auseinander zu setzen.

Die unkonventionellen Methoden der Reha-Klinik sind auch für die Kinozuschauer recht komisch: Ständige Meetings, an denen zusammen gesungen wird, Gruppensitzungen mit geführten Gesprächen und gemeinsame Sportübungen prägen den Alltag in der Klinik. Man fragt sich, ob man im ersten Moment nicht genau gleich reagieren und versuchen würde, sich dem ganzen Prozedere zu entziehen. Es ist alles so, wie wir es uns in einer modernen psychiatrischen Klinik in Amerika vorstellen und wie es sonst höchstens in einer Parodie gezeigt wird.

Aber in «28 Days» (official site) ist dies alles durchaus ernst gemeint, wenn der Film auch gleichzeitig als Komödie gedacht ist. Regisseurin Betty Thomas gelingt es denn auch nicht ganz, die Grenzen zwischen der Tragik ihrer Figur Gwen und der Komik, die dem Film dennoch innewohnt, am richtigen Ort zu ziehen. So bleibt der Eindruck einer etwas kitschigen Heilungsgeschichte, der man dann doch lieber «One Flew Over the Cuckoo?s Nest» von Milos Forman vorzieht.

Regie Betty Thomas
Buch Susannah Grant
Kamera Declan Quinn
Musik Richard Gibbs
Produktion USA 2000
Dauer 105 Min.
Genre Drama/Komödie

© Karin Müller. Sämtliche Texte und Bilder sind urheberrechtlich geschützt.
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