Filmarchiv

Along Came a Spider

Wenn sich Wahnsinn und Genialität paaren

Lee Tamahori will einmal mehr den genialen Verbrecher auf den intellektuellen Polizisten treffen lassen - mit mässigem Ergebnis, das einzig durch das Spiel von Morgan Freeman noch gewinnt.

Von Brigitte Häring

Immer intelligenter, so scheint es, werden die Verbrecher unserer Gesellschaft. Entführt wird nicht mehr um des lieben Lösegelds willen, gemordet nicht mehr aus Leidenschaft. Eiskalte und vor allem hochintelligente Menschen inszenieren geradezu ihre eigenen Fälle, um sich in einer Art grausamen Spiels mit einem mindestens so gescheiten Polizisten zu messen.

Das ist es zumindest, was uns einige Filme der letzten Zeit glauben machen. Und es sind nicht die schlechtesten Filme, die auf dem Motiv des intelligenten Wettstreits zwischen einem genialen Verbrecher und einem ebenso genialen Ermittler basieren: Grossartig, wie Jodie Foster und Anthony Hopkins lange Gespräche führten in "The Silence of the Lambs", meisterhaft, wie in "Seven" ein bedächtiger älterer Polizist seinen jungen Partner dazu bringt, sich mit der Psyche eines grausamen Killers auseinander zu setzen.

Doch Filme, die derart vom Spiel zwischen zwei intelligenten Menschen leben, die sich mit der Psyche eines Verbrechers auseinander setzen und die ihre Spannung daraus zu nehmen vermögen, geraten in Gefahr, als mittelmässige, banale Krimis oder als unentwirrbar unlogisch-chaotische Geschichten zu enden. Mit "Along Came A Spider" (official site) ist Regisseur Lee Tamahori in beide Fallen getreten. Trotz der Besetzung der Rolle "genialer Polizist" mit dem Darsteller dieser Figur schlechthin, Morgan Freeman, wirkt der Film sehr schülerhaft, epigonal.

Verwirrendes Katz-und-Maus-Spiel

Freeman, zum zweiten Mal als Dr. Alex Cross zu sehen (zuletzt in "Kiss the Girls" ), leidet an Schuldgefühlen, weil eine Partnerin während eines Einsatzes unter seiner Regie umgekommen ist. Er zieht sich zurück, bis er gegen seinen Willen in einen Fall hineingezogen wird - von einem Entführer, der sich mit einem ebenso intelligenten Menschen messen möchte. Gary Sonji (Michael Wincott), der als Lehrer getarnt die Senatorentochter Megan (Mika Boorem) unter den Augen des FBI entführt hat, will kein Lösegeld - er verwickelt Cross und seine Partnerin, die mit Megan bekannte Agentin Jezzie Flannigan (Monica Potter), in ein verwirrendes Spiel, in dem es ihm vor allem um die Aufmerksamkeit und um die öffentliche Auszeichnung "genialer Verbrecher" zu gehen scheint. Doch schon bald stellt sich heraus, dass nicht die Entführung Megans das Hauptziel der Aktion ist, und die Ereignisse beginnen sich zu verwirren.

Fehlende Tiefe und zu wenig Spannung

"Along Came A Spider" ist eine sehr konstruierte, teilweise unlogische Geschichte, die darum bemüht ist, die Zuschauer immer wieder zu verblüffen und auf falsche Fährten zu bringen. Dabei mangelt es nicht an Überraschungen und zahlreich eingestreuten Motiven und Indizien, die sparsam eingesetzt gute Effekte erzielen, die aber in derart grosser Zahl nur verwirren und bald auch langweilen.

So, wie bei den Clous der Geschichte verschwenderischer Umgang geübt wurde, so wurde bei der Zeichnung der Figuren gegeizt. Leider hat es das Team um Lee Tamahori verpasst, seinen Figuren die nötige psychologische Tiefe zu verleihen und Spannung nicht nur mit Überraschungen zu erzeugen, deren einziger Zweck - die Geschichte voranzutreiben - sehr bald durchschaut ist. Zum Glück für den Film und das Publikum musste Morgan Freeman nicht in eine neue Figur schlüpfen, seine kühle Art und weise Bedächtigkeit garantieren auch hier einmal mehr solide Unterhaltung - nicht mehr und nicht weniger.

Regie Lee Tamahori
Buch Marc Moss (nach dem Roman von James Patterson)
Kamera Matthew F. Leonetti
Musik Jerry Goldsmith, Mark Isham
Produktion USA 2001
Dauer 104 Min.
Genre Thriller

© Karin Müller. Sämtliche Texte und Bilder sind urheberrechtlich geschützt.
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