Filmarchiv

Angela's Ashes

Ein Kindheitstrauma

Alan Parker verfilmt eine irische Kindheit als Rührstück mit Emily Watson und Robert Carlyle.

Von Brigitte Häring

«Worse than a miserable Irish childhood is the miserable Irish catholic childhood»: Es gibt nichts Schlimmeres als eine irische, katholische Kindheit. So beginnt Alan Parkers («The Commitments») neuestes Epos um die Kinder- und Jugendjahre des Iren Frank McCourt, stellvertretend für viele irische Schicksale der Armen und Ärmsten. Basierend auf einem Bestseller eben desselben Frank McCourt, zeigt Parker relativ ungeschminkt die Zustände der Dreissiger- und Vierzigerjahre in Irland.

McCourts Erinnerungen (und der Film) beginnen mit einer Paradoxie: Während viele Familien nach Amerika auswandern, um dort den sozialen Aufstieg und das relativ sorgenfreie Leben zu suchen, kehrt die Familie McCourt nach dem Tod eines Kindes nach Irland, genauer gesagt nach Limerick zurück. Angela (Emily Watson) hat in New York den Nordiren Malachy (Robert Carlyle) geheiratet, was ihr von ihrer Familie, die die Heimkehrer sehr frostig empfängt, übel genommen wird. Malachy sei, da aus Belfast, kein guter Katholik, ja fast schon protestantisch.

Aus der Perspektive eines Kindes ist die grosse Armut, in der die Familie lebt, mit ganz anderen Problemen beladen als aus der Sicht derjenigen, die eine Familie durchbringen müssen. Während Angela sich damit auseinander setzt, entweder betteln zu müssen, um zu essen, oder ihre Würde zu behalten und zu hungern, während Malachy jedes bisschen Geld, das er bei seinen viel zu kurzen und sporadischen Arbeitseinsätzen verdient, vertrinkt, macht sich der kleine Frank Sorgen darum, dass seine Schuhe geflickt sind. Um nicht damit aufgezogen zu werden, zieht er sie aus und wird in der konservativen Schule prompt dafür bestraft. Frank, der mit dem Tod mehrerer Geschwister, mit dem Verlust seiner ersten Liebe und mit dem Alkoholismus seines Vaters zu kämpfen hat, wünscht sich nichts sehnlicher, als zurück ins gelobte Amerika zu fahren.

«Angela's Ashes» (official site) ist ein gutes Stück Schauspiel, die Geschichte wird von Alan Parker jedoch so rührselig traurig erzählt, dass man schon am Anfang des Filmes weiss: Hier geht es um eine tragische Geschichte, hier gibt es nichts zu lachen.

Regie Alan Parker
Buch Laura Jones, Alan Parker
Kamera Michael Seresin
Produktion USA/GB 1999
Dauer 148 Min.
Genre Drama

© Karin Müller. Sämtliche Texte und Bilder sind urheberrechtlich geschützt.
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