Filmarchiv

Anatomie

Unterkühltes Gruseln

Eine Medizinstudentin kommt einer mörderischen Verschwörung auf die Spur: makaber-spannender Thriller mit Franka Potente.

Von Karin Müller

Einen sauber gemachten Horrothriller à la Hollywood legt der Österreicher Stefan Ruzowitzky vor. Nach seinem eigenwilligen Heimatfilm «Die Siebtelbauern», einem veritablen Alpendrama, wechselt er in seinem neuen Werk ins Mediziner- und Studentenmilieu. Die Hauptrolle spielt der deutsche Shootingstar Franka Potente («Lola rennt»). Sebastian Blomberg, der zurzeit als festes Ensemblemitglied am Theater Basel arbeitet, gibt in «Anatomie» (official site) sein Kinodebüt.

Paula (Franka Potente) ist eine ehrgeizige Medizinstudentin. Als sie in Heidelberg beim berühmten Professor Grombek (Traugott Buhre) einen Anatomiekurs besuchen darf, geht für sie ein Traum in Erfüllung, der jedoch bald zum Albtraum wird: Vor ihr auf dem Seziertisch liegt ein toter junger Mann, mit dem sie am Tag zuvor noch im Zug gesessen hat. Paula stellt natürlich Nachforschungen an, kommt einem geheimnisvollen Ärztebund auf die Spur, der an lebenden Menschen «forscht», und wird selber zur Gejagten. Die meisten Szenen sind in kaltes, bläuliches Licht getaucht und spielen in den sterilen, chromglänzenden Räumen der Anatomie, was für die entsprechende makaber-unheimliche Atmosphäre sorgt.

Die Geschichte ist geradlinig, die Darsteller sind stark typisiert: Neben der schlaksigen, ernsthaften Paula, die den Männern aus dem Weg geht, gibt es noch ihre Freundin Gretchen (Anna Loos), eine offenbar intelligente, aber recht einfältig wirkende, lebenslustige Blondine mit Kurven, die eine Schwäche für das starke Geschlecht hat. Ihr wehleidiger Freund Hein (Benno Fürmann) mit dem knackigen Hintern eifert Arnold Schwarzenegger nach, während der ruhige Caspar (Sebastian Blomberg) ein Romantiker zu sein scheint. Wer ist Freund und wer ist Feind? Man muss nicht sehr lange rätseln.

Obwohl die Geschichte inhaltlich bisweilen ein wenig zu banal daherkommt und die Klischees ein bisschen zu dick aufgetragen werden ? der deutsche Krimi aus dem Anatomiesaal ist dennoch spannend und unterhaltend, vorausgesetzt, man ekelt sich nicht vor tiefgekühlten Leichen, abgetrennten Körperteilen und präparierten Leibern, wie sie in der Ausstellung «Körperwelten» zu sehen waren.

Regie Stefan Ruzowitzky
Buch Stefan Ruzowitzky
Kamera Peter von Haller
Musik Marius Ruhland
Produktion D 1999
Dauer 102 Min.
Genre Thriller/Horror

© Karin Müller. Sämtliche Texte und Bilder sind urheberrechtlich geschützt.
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