Filmarchiv

Anastasia

Von Brigitte Häring

Das Geheimnis um die letzte Zarenfamilie, die Romanows, hat immer wieder für Gesprächsstoff gesorgt und zu Spekulationen Anlass gegeben. Es geht die Legende, dass bei dem Mord an der Familie ein bis zwei Mitglieder mit dem Leben davonkamen, so auch die jüngste Tochter Anastasia. Im Laufe der Zeit traten immer wieder Frauen in den Vordergrund, die behaupteten, ebendiese Zarentochter zu sein.

Der Film setzt 10 Jahre nach der Revolution ein. In St. Petersburg sucht der kleine Gauner Dimitri Mädchen, die der verschollenen Prinzessin gleichen, um sie «auszubilden» und nach Paris zu bringen, wo die im Exil lebende Zarenmutter eine grosse Belohnung ausgesetzt hat. Das Waisenmädchen Anya möchte ebenfalls nach Paris reisen, um das Geheimnis ihrer Herkunft zu erforschen. Die beiden treffen zusammen und Dimitri beschliesst, dieses Mädchen der Grossmutter als «Anastasia» zu präsentieren. Die beiden reisen nach Paris, begleitet von Vlad, einem ehemaligen Würdenträger am Hof und dem Hündchen Pooka.

Der böse Rasputin (begleitet von der Albino-Fledermaus Bartok) aber, der schon mit einem Fluch die Revolution heraufbeschworen hatte, trachtet nach dem Leben der letzten noch lebenden Romanova. Denn ­ Anya spielt nicht nur Anastasia, sie ist die Verschollene. Sie weiss es nur selber noch nicht.

«Anastasia» zeigt den Weg des Zeichentrickfilms in die Zukunft. Computer werden in diesem Metier schon lange eingesetzt, aber noch selten mit einem ähnlichen Ergebnis. Mit Überblendungen, «Kamerafahrten» und pyrotechnischen Explosionen verliert der Zeichentrickfilm seine unbeholfene Starrheit, die er gegenüber dem Kamerafilm hatte (und die vielleicht auch einmal seinen Charme ausgemacht hatte). Sogar die Lippenbewegungen stimmen mit den Dialogen überein.

Anastasia ist ein zauberhafter Märchenfilm, mit der nötigen Portion Ironie und Humor ­ eher für grosse Kinder als für kleine gemacht. Einige wunderschöne Musicalnummern runden die perfekte Illusion ab. Nach den eher schwachen Disney-Produkten der letzten Zeit ein erfrischend schöner Film aus Hollywoods Trickkiste.

Regie Don Bluth, Gary Goldman
Buch Susan Gauthier, Bruce Graham, Bob Tzudiker, Noni W
Musik David Newman
Produktion USA 1997
Dauer 94 Min.
Genre Fantasy / Kinder

© Karin Müller. Sämtliche Texte und Bilder sind urheberrechtlich geschützt.
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