Filmarchiv

Speed 2

Alptraum Traumschiff

Langweiliger statt schneller

Von Karin Müller

Man bekommt jeden Tag eine Tafel Schokolade vorgesetzt, und geniesst sie. Nach einer Weile sieht jedoch eine Zuckerbombe aus wie die andere und sie schmecken alle gleich. Auf die versprochene Pralinenfüllung fällt man noch einmal herein, aber auch sie erweist sich bald als ziemlich fade. Ähnlich ergeht es einem mit den Action-Filmen aus Hollywood, die zur Zeit in den Schweizer Kinos zu sehen sind.

«Con Air» ist zwar klischeehaft und vorhersehbar, dennoch spannend und der Film ist immerhin nicht schon eine der üblichen x-ten Fortsetzungen. Der vierte Teil von «Batman & Robin» hingegen hat sein Pulver endgültig verschossen und kann ausser ein paar witzigen Sprüchen und zwei, drei gut gedrehten Action-Szenen nichts mehr vorweisen, was wirklich noch begeistern könnte. Völlige Langeweile schliesslich verbreitet Jan De Bont mit «Speed 2: Cruise Control».

Mit seinem Regiedebüt «Speed» landete der holländische Kameramann einen Überraschungserfolg. Der Film überzeugte durch seine atemlose Handlung und seine frische Heldin Annie. Für Sandra Bullock bot diese Hauptrolle der Auftakt zu einer steilen Karriere. In «Speed 2» hat sie nicht nur den Partner gewechselt ? statt Keanu Reeves steht ihr dieses Mal Jason Patric («Sleepers») zur Seite ? sondern leider auch ihre Rolle. Statt der zwar unfreiwilligen, aber beherzten Heldin Annie, spielt sie nun bloss noch die Freundin Annie, die am Ende von ihrem Machopolizisten Alex aus den Klauen von Bösewicht John Geiger (Willem Dafoe) gerettet werden muss.

Annie und Alex befinden sich auf einer Kreuzfahrt, doch Geiger legt die Steuerung des «Traumschiffes» lahm und es droht, zuerst mit einem Öltanker zu kollidieren und walzt am Ende den Hafen der Karibikinsel St. Martin platt.

Wenn «Con Air» in einer furiosen Flugzeug-Bruchlandung gipfelt, bei der halb Las Vegas in die Luft gejagt wird, so erschöpft sich «Speed 2» in einem überlangen, repetitiven Finale, dem schon nach kürzester Zeit alle Spannung abhanden gekommen ist. Und die während des ganzen Films exzessiv angewendete, unruhige Handkamera, die gezielt eingesetzt das Gefühl unmittelbaren Miterlebens erzeugt, wirkt hier nervig und ermüdend.

Regie Jan De Bont
Buch Randall McCormick, Jeff Nathanson
Kamera Jack N. Green
Musik Mark Mancina
Produktion USA 1997
Dauer 125 Min.
Genre Action

© Karin Müller. Sämtliche Texte und Bilder sind urheberrechtlich geschützt.
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