Filmarchiv

Amantes del circulo polar

Konstruierte Zufälle

Von Karin Müller

Otto und Ana lernen sich schon als Kinder kennen und lieben. Als Ottos Vater und Anas Mutter zusammenziehen, wachsen die beiden als «Geschwister» unter einem Dach auf. Obwohl sie sich als Erwachsene aus den Augen verlieren, bleiben sie die ganze Zeit auf geheimnisvolle Weise in geistiger Verbindung. Nach 17 Jahren wollen sie sich endlich am Polarkreis wiedersehen.

«Los amantes del circulo polar», geschrieben und inszeniert vom Spanier Julio Medem, ist eine tragische Liebesgeschichte, deren Verlauf auf der inhaltlichen Ebene durch eine Reihe schicksalhafter Zufälle bestimmt wird. Formal hingegen ist der Film bis ins letzte Detail durchkonstruiert. Das hat zur Folge, dass die Form den Inhalt streckenweise in den Hintergrund drängt und vieles merkwürdig künstlich und distanziert wirkt.

In teilweise berührenden Bildern zeigt Medem, wie sich die Liebesbeziehung zwischen Ana und Otto von ihren Eltern unbemerkt entwickelt. Leidenschaft und Sehnsucht werden durchaus spürbar. Der Regisseur versucht, dem Zuschauer einen Einblick in das Wesen Anas und Ottos zu geben, ihre Handlungsweise zu erklären, indem er wichtige Begebenheiten aus beider ? unterschiedlicher ? Perspektive zeigt und erzählen lässt. Dennoch bleiben Otto und Ana als Personen weitgehend unzugänglich, liegt die Motivation für ihr Handeln oft im Dunkeln, denn «die Geschichte entwickelt sich in der Art von Kreisen, wie sie sich auf der Wasseroberfläche bilden».

Die Liebe von Otto und Ana drückt sich zwar auch körperlich aus, verbindet die beiden aber vor allem auf einer übersinnlichen Ebene. Traum und Wirklichkeit fliessen in ihrer Wahrnehmung und damit auch für den Zuschauer zusammen. «Los amantes del circulo polar» ist eine Art Puzzle, denn auch die Zeitebenen werden miteinander verwoben; immer wieder streut Medem Rückblenden ein.

Die Szenen, die die gemeinsame Zeit von Ana und Otto als Kinder und Jugendliche schildern, haben eine melancholisch-poetische Ausstrahlung und gehören zu den stärksten des Films, während der Rest, die Suche und das Warten, nicht in gleichem Mass zu fesseln vermag.

Regie Julio Medem
Buch Julio Medem
Kamera Kalo F. Berridi
Musik Alberto Iglesias
Produktion Sp/F 1998
Dauer 114 Min.
Genre Drama/Romance

© Karin Müller. Sämtliche Texte und Bilder sind urheberrechtlich geschützt.
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