Filmarchiv

Aimée & Jaguar

«Du bist Aimée und ich bin Jaguar»

Zwei Frauen und die Liebe in den Zeiten des Krieges

Von Jana Ulmann

Im Berlin Nazi-Deutschlands verlieben sich eine Jüdin und eine Mutter von vier Kindern ineinander. «Aimée und Jaguar» mit Maria Schrader und Juliane Köhler zeigt, wie zwei Frauen in schwierigen Zeiten kompromisslos ihre Liebe leben.

Berlin 1943/44. Die anhaltenden schweren Bombardements der Alliierten versetzen die Stadt in Angst und Schrecken. Tausende werden obdachlos, verlieren ihr Leben durch die Bomben, die die Stadt in Schutt und Asche legen. Die Gestapo führt pausenlos ihre «Säuberungsaktionen» durch. Die Stadt, so verspricht Goebbels Hitler, soll bis zu dessen Geburtstag am 20. April «judenfrei» sein.

Wer sich nicht versteckt, sich keine neue Identität schafft oder flieht, hat keine Chance, den Deportationen zu entkommen Niemand kann sicher sein, nicht verraten zu werden. Der kleine Teil der Bevölkerung, der es sich leisten kann, wirft sich ins Vergnügen und in die Dekadenz, um den Tod, den Terror und die Vernichtung für kurze Zeit zu vergessen oder um noch zu feiern, bevor das sinkende Schiff endgültig untergeht.

Dies ist der Hintergrund, vor dem der Film «Aimée & Jaguar» eine Liebesgeschichte zwischen zwei Frauen erzählt, die auf dem gleichnamigen Buch beruht. Buch und Film verdanken ihre Entstehung den Lebenserinnerungen der heute in Berlin lebenden Lilly Wust.

Der Film beginnt seine Erzählung in unserer Zeit. Die alte Lilly Wust (Inge Keller) zieht ins Seniorenheim um und trifft dort nach über fünfzig Jahren ihr ehemaliges Hausmädchen Ilse (Kyra Mladeck) wieder. Diese Begegnung wird zum Auslöser der Erinnerungen an die Ereignisse der Kriegsjahre. Ein Schnitt führt die Kinozuschauer in ein Theater in Berlin um 1943.

Keine Kompromisse mehr

Ilse (Johanna Wokalek) sitzt mit ihrer Geliebten Felice Schrader (Maria Schrader) im Konzert. Die beiden entdecken im Publikum die schöne Lilly (Juliane Köhler), bei der Ilse als Hausmädchen angestellt ist. Felice hat nur noch Augen für die schöne Frau, obwohl sie weiss, dass Lilly Mann und Kinder hat und offensichtlich mit einem Geliebten im Theater sitzt. Als Fliegeralarm ausgelöst wird, findet das Konzert sein verfrühtes Ende.

Felice nützt das Chaos, das beim Gedränge in die Luftschutzkeller entsteht, dazu, um Lilly auf sich aufmerksam zu machen. Per Zufall treffen sich die beiden wieder, und bald macht Felice auch vor Ilse keinen Hehl mehr daraus, dass sie sich in Lilly verliebt hat.

In Lillys Wohnung tummeln sich bald allerhand Freundinnen von Felice und feiern fröhliche Feste. Es kommt alles wie es kommen muss: Auch Lilly entdeckt ihre Gefühle für die lebenslustige, selbständige, intelligente Felice, und die beiden beginnen eine leidenschaftliche Affäre. Als Lillys Mann (Detlev Buck) die beiden Frauen auf einem ungeplanten Fronturlaub im ehelichen Bett überrascht, beschliesst Lilly, sich von ihrem Mann scheiden zu lassen, um mit Felice zuammen sein zu können.

Dem Abgrund trotzen

Felice kann das Doppelleben, das sie zuvor geführt hat, bald nicht mehr länger vor Lilly geheimhalten und gesteht dieser, dass sie Jüdin ist. Lilly reagiert souverän und nimmt die bedrohte Felice bei sich auf, um sie vor den Nazis zu schützen. Dass es sich dabei nur um einen Schutz und ein Glück auf Zeit handelt, ahnen wohl beide.

Es ist nicht nur die wunderbare schauspielerische Leistung von Maria Schrader und Juliane Köhler, die diesen Film sehenswert macht. Es gibt tausend ähnliche Geschichten, und dennoch ist «Aimée & Jaguar» ganz eigen. Man könnte denken, dass die Zeit für solche Geschichten vorbei ist. Dieser Film belehrt uns eines besseren. Die Faszination für die Geschichte eines kompromisslosen Lebens im Moment, das sich trotzend und dennoch zerbrechlich am Rand des Abgrunds bewegt ? dieses Lebensgefühl glaubwürdig auf die Leinwand zu bringen, das ist die Leistung des Films.

Regie Max Färberböck
Buch Max Färberböck, Rona Munro (nach dem Roman von Eri
Kamera Tony Imi
Produktion D 1998
Dauer 126 Min.
Genre Romance/Drama

© Karin Müller. Sämtliche Texte und Bilder sind urheberrechtlich geschützt.
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