Filmarchiv

El acordeon del diablo

Geschichten eines karibischen Troubadours

Eindringlicher Musikfilm des Baselbieters Stefan Schwietert über einen Kolumbianer, der mit seinem Akkordeonspiel sogar den Teufel besiegt haben soll.

Von Jana Ulmann

An der Karibikküste Kolumbiens kursiert die Legende von "Francisco El Hombre", jenem Akkordeonspieler, der das Akkordeonduell, zu dem ihn der Teufel auf der nächtlichen Heimreise aufforderte, gewann. Von dieser Legende hat sich nicht nur Gabriel García Márquez für seinen Roman "Hundert Jahre Einsamkeit" inspirieren lassen. Auf den Spuren dieser Legende bewegt sich auch der Baselbieter Filmemacher Stefan Schwietert in seinem neuen Film "El Acordeón del Diablo" (official site). Nach seinem erfolgreichen Musikfilm über die legendären Epstein-Brothers, "A Tickle in the Heart", hatte er 1996 mit den Recherchen zu "El Acordeón del diablo" begonnen. Das war noch bevor hierzulande das karibische Musikfieber ausbrach, das Wim Wenders mit seinem "Buena Vista Social Club" so angeheizt hatte.

Der Entstehungsprozess von "El Acordeón del Diablo" war langwierig und hindernisreich, deshalb kommt der Film erst jetzt in unsere Kinos. So musste das Filmteam zum Nachdrehen nochmals nach Kolumbien reisen, nachdem die kolumbianischen Zollbehörden bei einer unvorhergesehenen Drogenfahndung wichtiges Filmmaterial zerstört hatten.

Ein grosser Geschichtenerzähler

Das Kolumbien aber der Drogenbosse und des Bürgerkriegs wird in Schwieterts Film nur am Rande erwähnt. Vielmehr hat er in der Person des 93-jährigen Akkordeonspielers Francisco "Pacho" Rada Batista jenen legendären "Francisco El Hombre" gefunden und erzählt uns nun dessen Geschichte. Das filmische Porträt über diesen famosen Akkordeonspieler, der so prägend war für den kolumbianischen Son und die Vallenato-Musik, changiert geschickt zwischen dokumentarischen und fiktionalen Elementen. Das passt zu Pacho Rada, der Zeit seines Lebens selbst ein Geschichtenerzähler war, der auf dem Rücken eines Esels mit seinem Akkordeon als Troubadour durchs Land zog, dabei die Menschen mit seinen Geschichten und seinen Liedern unterhielt und den Frauen den Kopf verdrehte.

Pacho Rada hat eine grosse Familie und auch sie kommt zu Wort. Seine Tochter Maria Gregoria beispielsweise hat die Geschichten ihres Vaters aufgezeichnet. Aus diesen Aufzeichnungen, die als Buch vorliegen, und aus den Geschichten, die ihm der alte Akkordeonspieler erzählt hat, hat Schwietert ein Drehbuch extrahiert. Der Einsatz einer Off-Stimme (gesprochen vom deutschen Schauspieler Günter Lamprecht), die den inneren Monolog des Hauptdarstellers Pacho Rado übernimmt, verstärkt den eher fiktionalen als dokumentarischen Charakter des Films.

Kein Reichtum, aber viel Ehre

In eindringlichen Bildern berichtet "El Acordeón del Diablo" über Kolumbien als ein Land der Geschichtenerzähler, der Legenden und der Musik. Mit jenem Mythos, der erzählt, wie die Akkordeons aus Deutschland an die Karibikküste Kolumbiens geraten sind, lässt Schwietert seine Erzählung beginnen.

Pacho Rada ist bis heute ein berühmter Mann, eine lebendige Legende, wie er selbst schmunzelnd erklärt. Reich gemacht hat ihn das nicht, auch wenn er der erste Akkordeonspieler war, der in seinem Land im Rundfunk zu hören war. Im Gegenteil - mausarm ist der Star, und obendrein muss er zuschauen, wie die heutigen Musiker mit seinen Liedern das grosse Geld verdienen. Sein Lohn ist die Ehre, die ihm auch heute noch zuteil wird. So hat ihn seine Heimatstadt El Dificile zum Ehrenbürger erklärt, und das Kinopublikum wird auch Zeuge dieses grossen Volksfestes, das in El Dificile zu Pacho Radas Ehren gefeiert wird.

Regie Stefan Schwietert
Buch Stefan Schietert
Kamera Ciro Cappellari
Produktion CH/D 2000
Dauer 90 Min.
Genre Doku

© Karin Müller. Sämtliche Texte und Bilder sind urheberrechtlich geschützt.
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