Filmarchiv

24/7

Von Benjamin Herzog

Bob Hoskins opfert sich für die versoffene Jugend: ein Boxclub soll die Kids an etwas glauben lassen. Das Unterfangen scheitert bald, hat aber seine Wirkung nicht verfehlt. Ein Städtchen in England. Der Nebel und die Industrieabgase hüllen die backsteinernen Reihenhäuser in ewig gleichbleibendes Dämmerlicht. Vor der Frittenbude hängen Tim (Danny Nussbaum) und seine Kumpels herum. Zu tun haben sie nichts, Perspektiven in diesem Kaff auch keine. So besteht ihr Leben hauptsächlich aus saufen, gammeln, prügeln. Ja, das Prügeln ist das einzige, was den Jungs etwas Abwechslung bringt. So geht das, vierundzwanzig Stunden am Tag, sieben Tage die Woche. Bis einmal einer Initiative zeigt: Darcy (Bob Hoskins) gründet einen Boxclub, damit die Jungs etwas Sinnvolles tun.

Das mag nach Anschauungsunterricht für angehende Jugendhelfer klingen, doch liegt die Absicht des englischen Regisseurs Shane Meadows woanders. «24/7» zeichnet in eineinhalb schwarzweissen Stunden einerseits das Porträt des Idealisten Darcy und andererseits das realistische Bild der Gesellschaft, in der er lebt. Da ist zum Beispiel Ronnie in seinem Jaguar. Der nicht ganz saubere Lokalunternehmer spendet immerhin die Ausrüstung für den Boxclub. Und da sind die Jungs, ihre aggressiven Väter und resignierenden Mütter. «24/7» erinnert an die Filme von Ken Loach.

In diesem Leben zwischen Fischstäbchen und Hoffnungslosigkeit ist jede noch so kleine Initiative etwas wert. So denkt zumindest Darcy, der in seiner Jugend selber einem Boxclub beigetreten war und so «an etwas im Leben glauben» lernte, und sei das nur, dass man die Kraft hat, seinem Gegner eins auf die Schnauze zu hauen. Solange das innerhalb des Boxrings mit seinen Regeln geschieht, ist die Gewalt unter Kontrolle. Auch Darcys Kids könnten so ihr Leben in den Griff kriegen.

Doch was ist, wenn die Erwachsenen ein ganz anderes Muster vorleben? Beim ersten von Darcy organisierten Boxkampf schon tritt die Katastrophe ein. Das Fazit von «24/7»: Die Erwachsenen sind nicht mehr zu erziehen, doch die Kinder haben ihre Lektion gelernt.

Regie Shane Meadows
Buch Shane Meadows, Paul Fraser
Kamera Ashley Rowe
Musik Neill MacColl, Boo Hewerdine
Produktion GB 1997
Dauer 96 Min.
Genre Drama

© Karin Müller. Sämtliche Texte und Bilder sind urheberrechtlich geschützt.
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