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Filmarchiv
The Bow
Gespannt wie ein Bogen
Ki-duk Kims neuer Film erzählt die Geschichte einer unmöglichen Liebe zwischen einem alten Mann und einem Mädchen, die zusammen in einem Boot auf offenem Meer leben.
Von Niklaus Schäfer
Ein alter Mann lebt mit einem Mädchen namens Yeo-reum auf einem Boot, auf das Fischer kommen, um ihrem Gewerbe nachzugehen. Immer wieder wird das Mädchen von den männlichen Gästen belästigt, doch der alte Mann ist wachsam und beschützt es mit seinem Bogen. Seine ausserordentlichen Künste als Schütze benützt er auch bei einem merkwürdigen Wahrsage-Ritual, das er zusammen mit dem Mädchen ausführt. Nie hören wir allerdings, was das Mädchen dem alten Mann für eine Prophezeiung ins Ohr flüstert. So oder so ist das Verhältnis zwischen Mann und Mädchen vor allem durch die Stille gekennzeichnet. Erst ein junger Fischer findet schliesslich einen echten Zugang zum Mädchen. Doch der alte Mann hat andere Pläne: Er will Yeo-reum, die er als Kind in seine Obhut genommen hat, an ihrem siebzehnten Geburtstag heiraten.
Nicht nur Schwarz und Weiss
«Wir alle haben versteckte Sehnsüchte und Hoffnungen, die in diesen Zeiten nicht ausgedrückt werden können», sagt der Regisseur Ki-duk Kim über seinen Film. «Ich wollte zeigen, wie hinterhältig, grosszügig, schön, traurig und glücklich diese sein können, wenn sie befreit werden. Wie ein Bogen möchte ich gespannt leben, bis ich sterbe.» Kim bleibt sich auch in seinem zwölften Spielfilm treu und provoziert mit einer Geschichte, in der ein weiteres Mal die Sexualität als fundamentale Grenzüberschreitung dargestellt wird. Dabei handelt es sich um die Liebe eines 60-Jährigen zu einer noch nicht 17-Jährigen. Diese Beziehung wird allerdings nie als normal dargestellt; im Gegenteil, Kim problematisiert diese unmögliche Liebe.
Wie der junge Mönch in Kims früherem Film «Spring, Summer, Fall, Winter ... and Spring» hat der alte Mann nie gelernt, eine normale Beziehung einzugehen; Gerade die Isolation von der Aussenwelt führt zu der Überschreitung dessen, was als gesellschaftlich akzeptabel gilt. Andererseits wird der alte Mann durchaus ambivalent gezeichnet – sicher ist er auch der Beschützer des Mädchens, nicht nur der Vergewaltiger. Wie im wirklichen Leben gibt es bei Kim nicht nur Schwarz und Weiss, sondern auch verschiedene Grautöne; auch die Gefühle des Mädchens zum alten Mann sind bis am Schluss nicht eindeutig und ebenso von Liebe geprägt wie von Ablehnung seiner pädosexuellen Neigung. Der Konflikt zwischen einer möglicherweise östlich-buddhistischen Fügung ins eigene Schicksal und einem möglicherweise christlichen Aufbegehren, der schon in «Samaria» dargestellt wurde, wird hier ohne den religiösen Überbau umformuliert.
Nach dem Land («Spring, Summer ...») und der Stadt («Bin-jip», «Samaria») spielt Kims neuer Film auf hoher See. Die Überschreitung, der Verstoss gegen gesellschaftliche Regeln, ist eben überall ein Thema – und es ist sicherlich kein Zufall, dass gerade die Flucht vor der Gesellschaft sowohl in «Spring ...» als auch in «The Bow » zur Katastrophe führt.
Zwischen Realität und Fantasie
Gleichzeitig bleibt Kim trotz allem ein optimistischer Regisseur, der seinen Figuren zumindest im Kleinen noch eine Zukunft erlaubt – auch wenn diese zumindest in «Bin-jip» nur noch im Reich der Fantasie besteht. Gerade das Spannungsfeld zwischen Realität und Fantasie ist es wohl auch, was Kims Filme so faszinierend macht.
| Regie |
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Ki-duk Kim |
| Darsteller |
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Yeo-reum Han, Sung-hwan Jeon, Ji-seok Seo |
| Buch |
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Ki-duk Kim |
| Kamera |
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Seong-back Jang |
| Produktion |
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Korea, Japan 2005 |
| Dauer |
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90 Min. |
| Genre |
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Drama |
| Offical Site |
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http://www.filmcoopi.ch |
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