Filmarchiv

American Dreamz

Die Fäden von Musik und Macht

Der Superstar-Virus wird verhunzt in einer erstaunlich bissigen Mediensatire.

Von Georges Wyrsch

Es war eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis sich ein Spielfilmprojekt mit dem weltweiten Rummel um die zahlreichen Fernsehformate beschäftigt, die zahllosen trällernden Kiddies eine Karriere im Musikgeschäft versprechen. Die in den USA beliebte Version «American Idol» wird in «American Dreamz» jedoch nicht auf eine freundliche Art überzeichnet, sondern sie wird vom New Yorker Regisseur und Autor Paul Weisz regelrecht pervertiert für eine bittere Gesamtabrechnung mit dem Musik- und Politbusiness.

Die anstehende Staffel von «American Dreamz» wird zum politischen Unterfangen, und dies aus zwei verschiedenen Gründen. Erstens hat der vor Sarkasmus überlaufende Produzent, Showmaster und Alleinjuror Martin Tweed (Hugh Grant, demnächst als Satan persönlich, wenn er so weitermacht) eine zündende Idee – ein junger Jude, ein Araber und ein White-Trash-Mädchen samt Irakveteran am Bändel sollen gegeneinander ansingen. Zweitens beschliesst man in Washington, den nach einem Nervenzusammenbruch in die geistige Umnachtung gefallenen US-Präsidenten (Dennis Quaid, demnächst bei Michael Moore, wenn er so weitermacht) als Zweitjuror im Finale auftreten zu lassen.

Diese Ausgangslage wurde wohlverstanden bei Rotlicht an den Haaren herbeigezogen, aber das ist nicht weiter schlimm. Der unglaubwürdige Plot ist nämlich nur der Auslöser für einen hemmungslosen Klimbim der Niederträchtigkeiten, der in alle Richtungen schiesst und dabei etliche Glühbirnen von der Decke holt.

Die durch den Kakao gezogenen Klischees reihen sich lückenlos aneinander – hier das karrieregeile Luder, dort der zynische Medienkasper, hier die kuschelige Politmarionette, dort der attentatsbereite Terrorist. Bei einem solchen Arsenal zünden die Pointen schon fast von selbst, und zuweilen ballert sich der Film auch in den eigenen Fuss.

Dass ein solcher Schmarren dann aber doch bis zur letzten Szene funktioniert, liegt wohl nicht zuletzt daran, dass die sehr prominent besetzte Satire ihren Gegenstand nicht nur von aussen kennt. Wer in dieser Liga filmt, kennt die medialen Spielregeln haargenau – und bricht sie um so erbarmungsloser. Schön, dass der Regisseur des Onanieknüllers «American Pie» (ja, das war auch er) endlich zur scharfen Munition gefunden hat.

Regie Paul Weisz
Darsteller Hugh Grant, Dennis Quaid, Mandy Moore, Willem Dafoe, Chris Klein
Buch Paul Weisz
Kamera Robert Elswit
Produktion USA 2006
Dauer 107 Min.
Genre Komödie
Offical Site http://www.uip.co.uk/americandreamz/movie.html

© Karin Müller. Sämtliche Texte und Bilder sind urheberrechtlich geschützt.
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