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Filmarchiv
The Omen
Teuflisch einfallslos
Nachdem vor zwei Jahren bereits Renny Harlins unsägliches «Exorcist»-Prequel versuchte, den Horror der Siebziger zu reaktivieren, kommt nun das «Omen»-Remake.
Von Simon Spiegel
Die erste Welle von Horrorfilmen erlebte das Kino in den Dreissigerjahren, als Dracula, Frankensteins Kreatur und der Wolfmann die Leinwand unsicher machten. Diese heute klassischen Filme standen ästhetisch noch deutlich in der Tradition der englischen «Gothic Novel», und modrige Schlösser, düstere Wälder und neblige Moore waren ihre Markenzeichen. Ganz anders die zweite Welle in den Siebzigerjahren; «Rosemary’s Baby», Roman Polanskis phänomenaler Erfolg von 1968, setzte einen neuen Standard: Das Grauen war nun nicht mehr in abgelegenen Schlössern zu Hause, sondern mitten unter uns. Ob in Polanskis Film, «The Exorcist», «The Omen» oder «The Shining», Stanley Kubricks krönendem Abschluss des Siebziger-Horrofilms, das Prinzip blieb stets das gleiche: War die Familie bis anhin das sichere Bollwerk Hollywoods gewesen, brach der Generationenkonflikt in den bewegten Jahren nach 68 auch auf der Leinwand offen aus. Die eigentlichen Dämonen, das waren nun die engsten Familienmitglieder.
Der Teufel steckt in der Familie
Richard Donners Omen-Film von 1976, in dem ein Diplomatenpaar den Antichristen grosszieht, war zwar eine offensichtlich kalkulierte Kreuzung aus «The Exorcist» und «Rosemary’s Baby», die vor allem durch drastische Todesarten zu beeindrucken wusste, dem finanziellen Erfolg tat dies aber keinen Abbruch, und noch heute gilt «The Omen» als kleiner Klassiker des Genres. – Satans Sohn erkennt man im Film an einem Geburtsmal in der Form dreier Sechsen, und wahrscheinlich war auch diese Ziffernfolge und die Möglichkeit, den Film zum 6.6.06 ins Kino zu bringen, der Hauptgrund für das Remake.
Obwohl die meisten Remakes überflüssig sind, «The Omen», in dem der Teufel seinen Sohn in einer angesehenen Diplomatenfamilie platziert, um auf diese Weise an die Schaltstellen der Macht zu gelangen, hätte dank veränderten Geschlechterrollen durchaus Potenzial für eine interessante Aktualisierung besessen. Wie wäre es zum Beispiel, wenn im Jahre 2006 die Mutter nicht das unwissende Opfer ist, sondern die heimliche Adoption des Satansbratens selbst in die Wege leiten würde, oder wenn der Antichrist heuer von einem Paar grossgezogen würde, das gemeinsam den Haushalt schmeisst? Von den politischen Implikationen ganz zu schweigen – wie taktiert der Teufel, wenn ein wiedergeborener Christ US-Präsident ist?
Satan aus der Retorte
Angesichts der vielen Möglichkeiten einer Neuinterpretation erstaunt eigentlich nur, wie nahe John Moores Film an der Vorlage klebt. Bis auf einen überflüssigen Prolog, in dem diverse neuere Katastrophen als Vorzeichen der Apokalypse interpretiert werden, zeigt der Film keinen Funken Eigenständigkeit und folgt dem Original teilweise sogar Wort für Wort. Vielleicht ist es eine Folge dieser Vorlagentreue, dass Liev Schreiber und Julia Stiles in der Rolle der Eltern nie recht auf Touren kommen, denn bereits bei Donner waren der kleine Damian und sein Kindermädchen – die teuflische Mrs. Baylock – die beiden interessantesten Figuren. Das ist auch dieses Mal nicht anders; Seamus Davey-Fitzpatrick bringt das rechte Mass an pausbäckiger Selbstzufriedenheit, und Mia Farrow – eine witzige filmhistorische Anspielung auf ihre Rolle in «Rosemary’s Baby» – blüht als Babysitter des Teufels regelrecht auf; solides Mittelmass, aber für alle, die das Original kennen, rechtfertigt das keinen Kinobesuch.
| Regie |
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John Moore |
| Darsteller |
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Liev Schreiber, Julia Stiles, Seamus Davey-Fitzpatrick, Mia Farrow |
| Buch |
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David Seltzer |
| Kamera |
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Jonathan Sela |
| Produktion |
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USA 2006 |
| Dauer |
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110 Minuten |
| Genre |
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Horror, Thriller |
| Offical Site |
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http://www.theomenmovie.com/de/index.html |
© Karin Müller. Sämtliche Texte und Bilder sind urheberrechtlich geschützt.
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