Filmarchiv

The Secret Life of Words

Der amerikanische Patient

Isabel Coixets Spielfilm über ein Folteropfer vermag nur in Ansätzen zu überzeugen.

Von Niklaus Schäfer

Hanna (Sarah Polley) ist eine sehr gute Arbeiterin. So arbeitsam ist die junge Migrantin, dass sich ihre Kolleginnen bei Gewerkschaft und Vorgesetzten beklagen. Für Hanna ist es höchste Zeit, sich einer neuen Herausforderung zu stellen. Auf einer Bohrinsel namens Genefke soll die ausgebildete Krankenschwester einen Mann, der an den Folgen von schweren Verbrennungen leidet, gesund pflegen. Schliesslich freunden sich Hanna und Josef (Tim Robbins), wie der amerikanische Patient heisst, an. Hanna fasst Vertrauen zu ihrem Patienten und redet über ihre eigenen Wunden.

Der fünfte Spielfilm der katalanischen Regisseurin Isabel Coixet («My Life Without Me») ist der dänischen Neurologin Inge Genefke gewidmet, die 1986 das IRCT (International Rehabilitation Council for Torture Victims) gründete. Daran ist bereits abzulesen, dass es sich hier um engagiertes Kino handelt. Hanna ist selber ein Folteropfer, und neben ihrem Schicksal erscheint selbst Josef als glücklicher Mann. Die zwei Menschen verbindet mehr als nur der biblische Vorname. Leider wird Coixets Film immer aufdringlicher in seinem Engagement; schliesslich redet Josef sogar mit einer fiktionalisierten Inge Genefke selbst, dargestellt von Julie Christie.

Mehr Zurückhaltung hätte Coixets Film – bei allen Meriten – sicherlich gut getan. Auch die Neigung der Regisseurin zum Sentimentalen ist gerade bei diesem Thema nicht unbedingt von Vorteil. Während bei Pedro Almodóvar, der den Film mitproduziert hat, und bei Emir Kusturica das Phantastische integraler Bestandteil des filmischen Universums ist – bei Almodóvar etwa in «Qué he hecho yo para merecer esto» –, wirkt «The Secret Life of Words» einfach nur unglaubwürdig – etwa dann, wenn die Therapeutin mit Josef über ihre Patientin redet. Das ist schade, denn Coixet ist an sich eine gute Filmemacherin. Es ist verständlich, dass der Film aufgrund des politischen Impetus nichts offen lässt – ja, nichts offen lassen darf. Schliesslich muss das Publikum – genau wie Josef – aufgeklärt werden. Doch gerade damit zerstört Coixet ihren an sich viel versprechenden Film.

Regie Isabel Coixet
Darsteller Sarah Polley, Tim Robbins, Javier Cámara, Julie Christie
Buch Isabel Coixet
Kamera Jean-Claude Larrieu
Produktion Spanien 2005
Dauer 112 Min.
Genre Drama
Offical Site http://www.lavidasecretadelaspalabras.com/

© Karin Müller. Sämtliche Texte und Bilder sind urheberrechtlich geschützt.
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