Filmarchiv

Elizabethtown

Kitschiges Wohlfühlkino

Orlando Bloom als Mann mit Selbstmordabsichten, der zum Glück die Liebe findet und die Familie entdeckt.

Von Simon Spiegel

Nachdem er bei seinem ehemaligen Arbeitgeber eine runde Milliarde in den Sand gesetzt hat, will sich Drew (Orlando Bloom) das Leben nehmen, doch wird der Plan von einem Telefonanruf durchkreuzt: Während eines Besuchs bei seiner Familie ist Drews Vater gestorben, und als ältestes Kind muss sich Drew um die Bestattung kümmern. Aus dem Selbstmord wird vorerst nichts, doch für Drew steht fest: Die Beerdigung seines Vaters ist nur ein Intermezzo, nach dessen Erledigung er sich endgültig von dieser Welt verabschieden will. Doch bereits auf dem Flug rückt ihm die kontaktfreudige Stewardess Claire (Kirsten Dunst) auf die Pelle, und in Elizabethtown, Kentucky, der Heimat seines Vaters, angekommen, wird er von familiärer Liebe geradezu erdrückt.

Der Einstieg von «Elizabethtown» lässt einen hoffen: Eine schön skurrile Mischung aus melancholischer Ironie und absurdem Witz. Und auch das folgende Endlostelefongespräch, das der einsame Suizidale mit der mysteriösen Claire führt, rührt einen – Dunsts sagenhaftem Lachen sei dank; doch kann der Film die delikate Balance nicht lange halten. Schon bald gleitet Regisseur Cameron Crowe in kitschige Gefilde ab und bleibt dort für den Rest des Films. Nach dem schwarzhumorigen Einstieg folgt der Film ausgetretenen Pfaden: Drew erkennt, dass Familie doch etwas Schönes ist, vergisst die Selbstmordabsichten und söhnt sich mit der Welt aus. Und Claire spielt den leitenden Liebesengel, der diesen Reifungsprozess begleitet.

In der zweiten Hälfte besteht «Elizabethtown» fast nur noch aus Wohlfühlmomenten, die allerdings ziemlich erzwungen wirken. Schliesslich macht sich Drew unter Claires Anleitung auf zu einem Autotrip, in dessen Verlauf wir haufenweise mässig originelle Sehenswürdigkeiten vorgesetzt bekommen; Crowe hat zudem noch ausgiebig in seiner Plattensammlung gekramt und haut uns die Hits im Minutentakt um die Ohren. Da wird viel Gefühl suggeriert, doch bleibt der Film leer und absehbar; das liegt nicht zuletzt an Bloom, der hier endgültig beweist, dass er zwar gut aussieht, aber ein ganz miserabler Schauspieler ist.

Regie Cameron Crowe
Darsteller Orlando Bloom, Kirsten Dunst, Susan Sarandon, Alec Baldwin, Bruce McGill, Judy Greer
Buch Cameron Crowe
Kamera John Toll
Produktion USA 2005
Dauer 123 Minuten
Genre Romantische Komödie
Offical Site http://www.elizabethtown-film.de

© Karin Müller. Sämtliche Texte und Bilder sind urheberrechtlich geschützt.
Jegliche Form der Weiterverbreitung ist ohne Genehmigung untersagt.

Zurück



Top   Druckversion   Seite als Hotlink speichern
Meine Seitenbewertung