Filmarchiv

Goal !

König Fussball

Ein solides Pseudo-Biopic des britischen Regisseurs Danny Cannon («Judge Dredd»). Selten wurde der Fussball auf der grossen Leinwand so wirksam in Szene gesetzt.

Von Niklaus Schäfer

Santiago Múñez war schon als Kind fussballbegeistert. Seine Familie flüchtete vor der Armut aus dem heimatlichen Mexiko ins gelobte Land Amerika. «¡Pobre México, tan lejos de Dios y tan cerca de los Estado Unidos!» (armes Mexiko, so weit weg von Gott und so nahe bei den Vereinigten Staaten), so lautet ein mexikanisches Sprichwort. Immerhin kann Vater Hernán im Barrio in Los Angeles seine Familie ernähren. Er will seinen eigenen Pick-Up-Truck kaufen, um unabhängig zu sein von unsteten Arbeitgebern. Doch Sohn Santiago hat anderes im Kopf: Er will hoch hinaus – als Fussballspieler. Dank dem abgehalfterten englischen Talentscout Glen Foy hat er auch gute Aussichten, in Newcastle eine Anstellung als Kicker zu finden. Doch der Vater glaubt nicht an die grosse Karriere des Jungen und eignet sich dessen hart verdientes Geld an. Doch Grossmutter Mercedes vertraut Gott und schenkt ihrem Enkel ihr Erspartes. Ein Traum geht in Erfüllung ... oder doch nicht?

Bend It Like Múñez

Regisseur Danny Cannon und sein Team haben keine Mühen gescheut, um König Fussball ein filmisches Denkmal zu errichten. Wohl nicht zuletzt, weil der Fussball in den USA ein Minderheitensport ist, sind filmische Darstellungen des Fussballs eher Mangelware. Der britische Grosserfolg «Bend It Like Beckham» bestätigt diese Regel. Mit «Goal!» aber soll alles anders werden. Der Film – notabene eine US-Produktion – soll der erste Teil einer Trilogie sein, die die Geschichte des Mexican-American Santiago Múñez erzählt. Im zweiten Teil wird er dann mit Real Madrid einen neuen und noch prestigeträchtigeren Arbeitgeber finden. Unterstützt wurde Cannon auch von der FIFA, die in den Filmen ein adäquates Werbeinstrument sieht. Die Schattenseiten des Business werden zwar nicht ausgeblendet, doch die Institutionen selbst werden natürlich nicht angegriffen. Im Gegenteil. «Goal!» ist eine einzige Hymne an den Fussball und seine Organisationen, seine Spieler und seine Fans. Doch diese unkritische Annäherung stört nicht wirklich, denn «Goal!» ist ganz klar Unterhaltungskino. Mehr will dieser Film gar nicht sein. Wer also Fussball und Popcorn mag, darf ihn nicht verpassen.

Popcornkino mit Anspruch

Dabei hat «Goal!» durchaus auch Mehrwert zu bieten: der Konflikt zwischen dem konservativen Vater und dem tatendurstigen Santiago, der Status von Santiago als Amerikaner mit mexikanischen Wurzeln, der zwar akzentfrei englisch spricht, aber keinen US-Pass hat – all das zeigt, dass die Drehbuchautoren mehr im Sinn hatten, als nur den weiss-schwarzen Ball wirksam in Szene zu setzen. Die Drehbuchautoren Dick Clement und Ian La Frenais, die den Newcomern Mike Jefferies und Adrian Butchert zur Seite standen, adaptierten denn auch bereits Roddy Doyles sozialkritisch angehauchten Roman «The Commitments» für die grosse Leinwand – mit einigem Erfolg. In «Goal!» konnten sie diesen Hintergrund erneut fruchtbar machen. Selbst die Namen der Protagonisten sind dabei nicht ohne Bedeutung: Die religiösen Namen Santiago (Sankt Jakob) und Mercedes (ein Beiname der Muttergottes) verweisen auf die besondere Beziehung, die Grossmutter und Enkel zueinander haben, und auf ihr grosses Vertrauen in Gott. Der Name des Vaters, Hernán, erinnert hingegen eher an Hernán Cortés, den Spanier, der Mexiko unterjocht hat.

Regie Danny Cannon
Darsteller Kuno Becker, Tony Plana, Stephen Dillane, Miriam Colon, Alessandro Nivola, Anna Friel
Buch Mike Jefferies, Adrian Butchert, Dick Clement, Ian La Frenais
Kamera Michael Barrett
Produktion USA 2005
Dauer 118 Min.
Genre Drama
Offical Site http://www.goalthemovie.com/

© Karin Müller. Sämtliche Texte und Bilder sind urheberrechtlich geschützt.
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