Filmarchiv

Kiss Kiss Bang Bang

Lieben und Töten mit Stil

Shane Black strapaziert die Codes des Film Noir für ein aberwitziges Schelmenstück.

Von Georges Wyrsch

Seit «Reservoir Dogs» und «Pulp Fiction» hat der Name Quentin Tarantino für alle möglichen und unmöglichen Vergleiche herhalten müssen – hier muss er es nicht. Obwohl in «Kiss Kiss Bang Bang» einmal mehr redselige finstere Gestalten mit Handfeuerwaffen wedeln und das Universum der geldsüchtigen Filmindustrie mit den Verflechtungen des mehr oder weniger organisierten Gangstertums zur Not auch mit Fäusten durcheinander wirbeln – der in diesem Thriller gewählte Ansatz ist anders, und das ist gut so.

Während in der traurigen Elmore-Leonard-Verfilmung «Be Cool» noch ein teurer, schwarzer Anzug mit dem Kopf von John Travolta obendrauf versuchte, sich aus der Schlinge der Selbstgefälligkeit dieses Genres zu ziehen, wird hier ein anderes Spiel gespielt. In «Kiss Kiss Bang Bang» ist nun wieder der Kunde König. Hier riecht nichts nach pseudoironischer Selbstbeweihräucherung, sondern es erklingt vielmehr der Aufruf an die Kollegen, sich sowohl in der Darstellung von Gewalt wie auch in der Dialogarbeit wieder auf die alten Werte zu besinnen.

Der Kopf hinter diesem Unterfangen heisst Shane Black, und ihm gebührt der Ruf, einer der grossen unbekannten Bekannten in den Strippen Hollywoods zu sein. Er hat die Drehbücher zur gesamten «Lethal Weapon»-Serie geschrieben und mit seinem subversiven Ton dafür gesorgt, dass gelungene, aber erfolglose Filme wie «Last Action Hero» und «The Long Kiss Goodnight» entstanden. Dies hier ist seine allererste Regiearbeit, und gleichzeitig sein persönlichster Film.

Die Geschichte um einen Kleinkriminellen (Robert Downey Jr.), der per Zufall in die blutigen Mühlen Hollywoods gerät, ist spannend und turbulent genug gefilmt, um sich selbst zu genügen. Aber dieses schon fast slapstickhafte Geschehen ist darüber hinaus erfreulich zugetextet mit einem Zynismus, der sich mit Noir-Autoren wie Chandler und Hammett messen kann, und der vor allem eines zu wissen scheint: wo «unten» ist.

Einmal ganz abgesehen davon, dass es Shane Black neben dem «Bang Bang» auch vorzüglich versteht, das «Kiss Kiss» zu betonen – und zwar querbeet durch die geschlechtlichen Vorzüge. Diese Figuren fühlen etwas, bevor sie ihre In-Jokes vom Stapel lassen oder sterben – sie sind nicht nur cool, verrückt oder nächstens tot – sie reden und rennen um ihr Leben.

Regie Shane Black
Darsteller Robert Downey Jr., Val Kilmer, Michelle Monaghan
Buch Shane Black
Kamera Michael Barrett
Produktion USA 2005
Dauer 102 Min.
Genre Thriller
Offical Site http://wwws.warnerbros.de/kisskissbangbang/

© Karin Müller. Sämtliche Texte und Bilder sind urheberrechtlich geschützt.
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