Filmarchiv

Nineteen

Ein Loblied auf das Absurde

Der Debütfilm des 1976 geborenen japanischen Filmemachers Kazushi Watanabe ist ein Roadmovie irgendwo zwischen Jarmusch und Tarantino.

Von Niklaus Schäfer

Der Student Usami ist auf dem Heimweg von der Universität. Zuerst fragen ihn drei seltsame Gestalten nach dem Weg, schon bald halten sie ihn an – und kidnappen ihn. Er ist nicht das erste Opfer der drei dadaistischen Gangster: Er sitzt im nicht sonderlich grossräumigen Auto zusammen mit einem anderen Opfer und den drei Gangstern, die im Drehbuch nach drei japanischen Provinzen benannt sind: Yokohama (Watanabe), Chiba (Noro) und Kobe (Shinmyo). Es ist ein seltsam ereignisloses Roadmovie, das sich vor einem entfaltet: Bei einem Einkaufsbummel im Supermarkt entdeckt Usami Waffeln, worauf einer der Gangster gleich alle aufkauft. An der frischen Luft macht er eine Packung nach der anderen auf – er hat es nämlich nur auf die Sammelkarten, nicht auf die Waffeln abgesehen. Auch ein Zoobesuch und ein Ausflug ans Meer gehört zum Programm. Schliesslich wachsen Usami die drei seltsamen Kriminellen ans Herz.

«Nineteen» basiert auf einem Kurzfilm, für den Watanabe als 19-Jähriger an einem Studentenfilmfestival ausgezeichnet wurde. Die vorliegende lange Version überzeugt ebenso und wurde in Seoul und Sarajevo prämiert. Angeblich war es ein Freund von Watanabe, der von echten Gangstern gekidnappt wurde. Einige der Schauspieler in «Nineteen» sind denn auch Laien, und der ganze Film wirkt – stilistisch irgendwo zwischen Jarmusch, Kitano und Tarantino angesiedelt – durchaus authentisch, was durch das grobkörnige Schwarzweissbild noch verstärkt wird. Watanabe hat bewusst auf japanische Schriftzeichen in den Credits verzichtet. Auch die Musik, rockiger Blues von Knockers Records, löst den Stoff aus dem fantastischen Reich des japanischen Mainstream-Films, von dem sich Watanabe distanzieren wollte. Seine erste Liebe war denn auch nicht der Film, sondern die Comics: ursprünglich wollte er Comic-Zeichner werden. Mit seinem Szenario zur Comic-Version von «Nineteen», mit der er beauftragt wurde, konnte er sich diesen Wunsch zumindest teilweise erfüllen.

«Nineteen» ist ein Loblied auf das Absurde im Leben, das Widersprüchliches bewusst nebeneinander stehen lässt. Von Kazushi Watanabe darf man noch Grosses erwarten.

Regie Kazushi Watanabe
Darsteller Kazushi Watanabe, Takeo Noro, Daijiro Kawaoka, Ryo Shinmyo Kobe, Masashi Endô, Nachi Nozawa
Buch Kazushi Watanabe
Kamera Masakazu Oka
Produktion Japan 2000
Dauer 83 Min.
Genre Drama, Komödie
Offical Site http://www.19-der-film.de/

© Karin Müller. Sämtliche Texte und Bilder sind urheberrechtlich geschützt.
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