Filmarchiv

Night Watch

Im Osten nichts Neues

Unterhaltungskino aus Russland hat hierzulande Seltenheitswert, «Night Watch» macht allerdings nicht Lust auf mehr

Das Phantastische hat Konjunktur, nicht erst seit «Lord of the Rings» machen Vampire und Dämonen aller Art die Leinwände unsicher. Dass dieser Trend nicht nur auf Hollywood beschränkt ist, zeigt «Night Watch», eine russische Produktion der etwas anderen Art. Wer mit russischem Kino Langsamkeit und schwermütiges Brüten à la Tarkovsky verbindet, muss umdenken; statt Introspektion sind in «Night Watch», blutige Action und Spezialeffekte angesagt. Vorbilder sind Filme wie «Blade», oder «Underworld».
Zwischen den Armeen des Lichts und der Dunkelheit herrscht seit Jahrhunderten ein delikater Waffenstillstand; man bekämpft sich nicht, überwacht sich aber gegenseitig. Vampire brauchen Lizenzen zum Blutsaugen, Verstösse gegen das Abkommen werden geahndet – Gothic Horror meets postkommunistische Bürokratie. Doch das fragile Gleichgewicht ist gestört, etwas braut sich zusammen – steht etwa die Ankunft des Einen an, der die Machtverhältnisse für immer verschieben wird?

Grosse Pläne mit kleinem Budget

Ganz ernst nehmen kann man diesen wild zusammenpanschten Plot freilich nicht, doch als Ausgangslage für einen augenzwinkernden Horrorfilm verspricht das durchaus Kinovergnügen. Dass das Ganze in Moskau spielt, ist nach all den amerikanischen Grossstädten auf den Leinwänden eine willkommene Abwechslung. Leider scheint Regisseur Timur Bekmambetov Grosses im Sinn gehabt zu haben. Was genau, wird nie so recht klar. Deutlich wird nur, dass man gerne Eindruck machen würde: Alles muss trotz des bescheidenen Budgets gross und teuer aussehen, spektakuläre Effekte, rasante Action. Der Haken bei der Sache: Dafür hat’s nicht gereicht. Der Film wirkt meist ziemlich handgestrickt, fehlendes Geld für Statisten wird oft mit hektischem Schnitt und aufdringlicher Musik kompensiert.
Die technischen Unzulänglichkeiten würde man gerne in Kauf nehmen, wenn «Night Watch» inhaltlich etwas hergeben würde. Diesbezüglich aber bleibt der Film ähnlich hirnlos wie seine Vorbilder. Bleibt also doofe Hollywoodunterhaltung ohne die in Hollywood übliche technische Perfektion – so etwas sehen sich wirklich nur Untote an.

Regie Timur Bekmambetov
Darsteller Konstantin Khabensky, Vladimir Menshov, Valeri Zolotukhin, Mariya Poroshina, Galina Tyunina, Yuri Kutsenko
Buch Timur Bekmambetov, Laeta Kalogridis
Kamera Sergei Trofimov
Produktion RU 2004
Dauer 114 Minuten
Genre Horror
Offical Site http://www.waechter-der-nacht.de/

© Karin Müller. Sämtliche Texte und Bilder sind urheberrechtlich geschützt.
Jegliche Form der Weiterverbreitung ist ohne Genehmigung untersagt.

Zurück



Top   Druckversion   Seite als Hotlink speichern
Meine Seitenbewertung